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Sport

„Ich erwarte etwas Großes für mein Leben“

Sabrina Hering ist die einzige Volkswagen Mitarbeiterin, die an den Olympischen Spielen in Brasilien teilnimmt. Im Kajak-Vierer hat die 24 Jahre alte Deutsche sogar eine realistische Medaillenchance.

Sabrina Hering ist die einzige Werksangehörige der Volkswagen AG, die an den Spielen in der brasilianischen Megastadt teilnimmt. Im Kajak-Vierer hat die Athletin vom Hannoverschen Kanu-Club 1921 sogar eine realistische Medaillenchance. Zum einen: Weil die deutschen Kanuten seit jeher die erfolgreichste Nation stellen. Zum anderen: Weil Sabrina Hering gut ist.

Zuletzt gewann sie
bei den Europameisterschaften in Moskau auf der olympischen 500-m-Strecke Silber im Kajak-Zweier hinter Ungarn und Bronze im Vierer hinter Ungarn und Weißrussland. 2015 war sie in Mailand bereits Weltmeisterin im Zweier auf der (nichtolympischen) 1000-m-Strecke. Dazu zieren Deutsche Meisterschaften sowie Junioren- und U23-Titel ihre Erfolgsbilanz.

Möglich wurde diese auch,
weil Sabrina Hering in ihrem Sport durch Arbeitgeber Volkswagen unterstützt wird. Sie besetzt eine von derzeit zwei Sportförderstellen (die andere hält der Boxer Dominik Hirsch). Angestellt ist sie bei der Volkswagen Sportkommunikation in Wolfsburg, eingesetzt ist sie jedoch am Standort Hannover, wo sie als Sachbearbeiterin im Personalwesen von Volkswagen Nutzfahrzeuge tätig ist. Der Grund dafür: In Hannover liegt auch das niedersächsische Landesleistungszentrum der Kanuten. So hat sie es nicht weit zum Training. Das ist schließlich der Hintergrund der Sportförderstellen: Sie ermöglichen die optimale Kombination von Arbeit und Spitzensport.

Frau Hering, was überwiegt so kurz vor Beginn der Sommerspiele: Vorfreude oder Anspannung?

Es ist irgendwie gar nicht greifbar. Ich kann das gar nicht fassen, ich sehe mich noch gar nicht in Rio. Das ist so unwirklich. Andererseits: Ich erwarte schon etwas Großes für mein Leben. Das erste Mal bei Olympia dabei, die Stimmung vor Ort in Brasilien, das Leben mit den anderen Athleten im Olympischen Dorf, die Anfeuerung durch die Zuschauer an der Strecke.

Seit wann ist die Olympia-Teilnahme ein Ziel für Sie gewesen?

Zumindest habe ich im Januar noch nicht damit gerechnet, dass alles so kommt. Der Kajak-Vierer hat ja im letzten Jahr in Mailand bei der WM die Bronzemedaille gewonnen, war also erfolgreich. Damals saß ich noch nicht im Boot. Dann wurden die Karten neu gemischt. Steffi Kriegerstein, mit der ich auch im Zweier sitze, und ich haben uns reingekämpft, Tina Dietze und Franziska Weber blieben im Boot, die beiden anderen haben wir dann durch unsere guten Leistungen verdrängt.

Olympia beginnt am 5. August, Sie selbst tauchen die Paddel ab dem 15. August für Ihre Wettkämpfe ins Wasser. Der Ort des Geschehens kann berühmter kaum sein: Die Kanustrecke liegt im Stadtteil Copacabana, und zwar in der Lagune Rodrigo de Freitas.

Das ist natürlich schon toll. Ich war ja auch noch nie in Rio oder anderswo in Brasilien. Die anderen Kanutinnen waren im letzten August zu den vorolympischen Wettkämpfen schon da. Sie waren von der Aussicht mit dem Zuckerhut oder dem Corcovado ganz begeistert. Von der Wasserqualität übrigens nicht: Da schwamm wohl eine Menge an Müll und Fäkalien rum.

Den letzten Test gab es bei den Europameisterschaften in Moskau. Für Sie brachten sie einmal Silber im Zweier und einmal Bronze im Vierer. Zufrieden?

Im Zweier voll und ganz. Da gab es ganz starke Konkurrenz. Die Leistung im Vierer ist ausbaufähig. Mit Polen oder Neuseeland werden in Rio zwei weitere Favoriten dabei sein, die diesmal nicht starteten bzw. nicht starten konnten. Aber ich sehe das positiv: Wir wissen nun, woran wir noch arbeiten müssen bis Olympia.

Sabrina Hering

besetzt eine von derzeit zwei Sportförderstellen bei Volks­wagen. Angestellt ist sie bei der Volks­wagen Sportkommunikation in Wolfsburg, eingesetzt ist sie jedoch am Standort Hannover, wo sie als Sachbearbeiterin im Personalwesen von Volkswagen Nutzfahrzeuge tätig ist.

Wie bereiten Sie sich jetzt auf Rio vor?

Es gibt ein volles Programm bis zum Olympia-Start: Vom 4. bis 16. Juli waren wir auf einem Konditionslehrgang in Kienbaum bei Berlin, vom 23. Juli bis zum 10. August laufen die Wettkampfvorbereitungen in Duisburg.

Wie sind Sie überhaupt zum Kanusport gekommen?

Das war eigentlich recht spät, und zwar erst mit elf Jahren. Mein Vater war in meinem Heimatverein bereits aktiv und hat dort Drachenboote gesteuert. An den Wochenenden habe ich ihn öfters begleitet. Die Altvorderen des Vereins haben dann gesagt, dass sie in mir ein Riesentalent sehen würden. Tja, dann habe ich mich einfach ins Boot gesetzt und bin losgefahren.

Und ab wann haben Sie gemerkt, dass es ernst wird mit dem Sport? Dass Sie andere Dinge hintanstellen müssen, um den nächsten Schritt zu machen – und vielleicht mal zu Olympia zu kommen?

Mit 15 war ich zwar schon im Juniorennationalteam. Doch richtig verstanden habe ich es erst mit 17. Damals wurde das Training mehr und härter, die Wettkämpfe schwerer. Dazu die Starts bei den deutschen Meisterschaften, schließlich die Qualifikation für den Nationalkader. Dennoch war es eine Überraschung, als es schließlich geklappt hat. Irgendwann stand ich da und sagte: Oh, cool, du bist dabei!

Sie haben Ihre Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei Volkswagen absolviert, arbeiten jetzt auf einer der Sportförderstellen des Unternehmens. Was bedeutet das für Sie?

Ich habe eine volle Stelle, werde aber für Training und Wettkampf freigestellt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir die Möglichkeit gegeben worden ist. Ohne die Sportförderung von Volkswagen könnte ich meinen Sport nicht auf diesem Niveau betreiben. Auch die Qualität meiner Arbeit im Büro würde leiden, denn das Training müsste ich ja trotzdem irgendwie durchziehen. Das würde auf Dauer nicht funktionieren. Nicht zu vergessen: Über den Olympiastützpunkt Niedersachsen, der ebenfalls von Volkswagen unterstützt wird, bekomme ich auch ein Auto zur Verfügung gestellt. Derzeit fahre ich einen Passat.

Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, sich für die Sportförderstelle zu bewerben?

Mein Freund Paul Pradler, der auch Kanute ist und bei Volkswagen Nutzfahrzeuge im Kapazitätsmanagement arbeitet, hat mir den Tipp gegeben. Ich habe von 2010 bis 2013 meine Ausbildung absolviert und mich gegen Ende der Zeit über den Olympiastützpunkt für die Sportförderung beworben. Das ist der offizielle Weg. Dann habe ich noch zwei Wochen in der Montage gearbeitet, ehe die Zusage kam.

Wie sieht Ihr Alltag zwischen Büro und Wasser konkret aus?

Um 7 Uhr bin ich auf dem Wasser, absolviere meine erste Trainingseinheit über 70 Minuten. Von 9 bis 15.10 Uhr bin ich im Büro. Danach geht es wieder zum Training, es folgen zwei weitere Einheiten von jeweils einer guten Stunde Dauer. Eigentlich sollen wir viermal am Tag trainieren, aber so komme ich ganz gut hin. Wenn die Saison zu Ende ist, arbeite ich einen Monat voll im Büro.

Wie stehen die Kollegen dazu? Nehmen sie Ihre Erfolge und Ihren Sport wahr?

Ja, vor allem die Erfolge. Dann bringe ich nämlich meist Kuchen mit. Sie stehen hinter mir, erkennen die Leistung an. Und sie freuen sich mit mir. Zwei, drei schreiben mir zwischendurch auch Nachrichten, wünschen mir Erfolg oder fragen nach, wie es mir gerade geht.

Und jetzt begleiten Sie die Glückwünsche nicht nur der Abteilung, sondern von allen Volkswagen Kollegen nach Rio…

Ja – und hoffentlich hilft‘s, das sind schließlich nicht wenige… Obwohl: Eigentlich braucht man uns Sportlern kein Glück zu wünschen. Ich sage mir immer: Wer Glück braucht, der kann nix. Daher sollte man besser viel Erfolg wünschen, das wäre toll.

Bleibt eine Frage: Kommen Sie mit einer Medaille heim?

Natürlich würde ich gerne mit einer Medaille nach Hause kommen, aber ich setze mich nur selten unter Druck. Das ist vielleicht meine Stärke: Ich weiß, was ich kann, und bleibe entspannt. Denn eigentlich ist Kanufahren doch ganz einfach: Links, rechts das Paddel ins Wasser setzen – und gut is‘!

Olympische Sommerspiele 2016 5.-21. August