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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

E-Mobilität

Für die letzten Meter –
der Cityskater

Vom Last Mile Surfer zum Cityskater – der Innovationsfonds II förderte das Mikromobilitäts-Projekt von der Idee bis in die Serie. Tobias Ludwig war von Anfang an dabei.

Sie begleiten den Cityskater bis in die Fertigung: Tobias Ludwig (links) vom Innovationsfonds II 
und Heinrich Wiesner, Leiter Innovationsmanagement und Projektleiter für den Cityskater bei 
der Volkswagen Group Services in Wolfsburg.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Tobias Ludwig war erst kurze Zeit beim Innovationsfonds, als der Last Mile Surfer zu ihm kam. Als Idee, schwarz auf weiß in einem Antragsformular. Das war 2013. Jetzt, gut fünf Jahre später, geht der Elektro-Scooter im sächsischen St. Egidien – zwischen Zwickau und Chemnitz – in Serie. Er heißt dann Cityskater. Tobias Ludwig hat ihn von der Idee über die Entwicklung bis zu Fertigung begleitet.

Marcus Kunz leitet das Cityskater-Projekt in St. Egidien

Wie kommt man vom Parkplatz, von der Straßenbahn oder einer Bushaltestelle künftig am besten nach Hause oder ans Ziel? Die letzten Meter, die Kurzstrecke – das ist ein Stück Mobilität, das erst nach und nach bei Volkswagen Aufmerksamkeit gewonnen hat. Der Cityskater ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg zur Mikromobilität.

Den Ball ins Spiel gebracht hatte damals Odysseus Andronis. Der Mitarbeiter im Volkswagen Design kam zum Innovationsfonds mit der Idee vom Last Mile Surfer. Und überzeugte auch Ludwig, auf dessen Schreibtisch die Idee damals gelandet war. Andronis konnte schließlich aus Fondsmitteln zwei Prototypen des Elektro-Rollers mit drei Rädern bauen. Und überzeugte weiter. Auch viele Mitarbeiter, die den kleinen Elektro-Flitzer auf Betriebsversammlungen in Wolfsburg und anderen Standorten sahen.

Andronis zieht sich ein Jahr später ein wenig zurück, Ludwig springt ein: „Ich konnte diese tolle Idee nicht einfach liegen lassen und wollte unbedingt weitermachen“, erklärt der 46-jährige Maschinenbau-Ingenieur. Er arbeitet seit 15 Jahren bei Volkswagen. Aus dem Fondsverwalter wird ein Antragsteller beim Innovationsfonds. Ziel: den Elektro-Roller auf den letzten Metern zur Serienreife zu bringen. Der Innovationsfonds bewilligt fast eine Million Euro für die weitere Arbeit.

Das ist der Innovationsfonds II

Diese tarifvertragliche Regelung greift seit 2011. Der Fonds stellt jährlich 20 Millionen Euro bereit, um neue Geschäftsfelder in Ergänzung zur bisherigen automobilen Wertschöpfungskette zu entwickeln. Schwerpunkte: Mobilität, Energie, Umwelt. Der Fonds hilft, Beschäftigung im Inland zu sichern. Für den Betriebsrat lenkt Stephan Wolf den Fonds, zuständig ist der Gesamtbetriebsrats-Ausschuss „Neue Geschäftsfelder, Umwelt und Energie“ (NGUE). Tobias Ludwig, Martin Stepper und Taylan Ay bilden in Wolfsburg die Geschäftsstelle des Fonds.

»Die Entstehungsgeschichte des Cityskaters ist ein großer Erfolg. Sie beweist erneut, dass wir mit unserem Innovationsfonds II eine gute Idee bis zur Produktionsreife bringen können, indem wir Erfinder- und Unternehmergeist aus den eigenen Reihen bestmöglich fördern. Mich persönlich freut natürlich ganz besonders, dass der Cityskater nun Arbeitsplätze bei Volkswagen sichert. So profitieren Unternehmen und Belegschaft.«

Stephan Wolf
Stellvertretender Vorsitzender 
des Gesamtbetriebsrates

Die nächste Phase beginnt. Viele Stellschrauben dreht ein fünfköpfiges Team in der AutoVision mit der Porsche Engineering – beim Licht, beim Klappmechanismus, dem Signalhorn und der Batterie. Dennoch können sie beim Gewicht des Elektro-Rollers die Zielvorgabe von zehn Kilogramm nicht ganz erreichen. Es werden schließlich 17 Kilogramm. Ursache ist unter anderem die Entscheidung für eine Lithium-Ionen-Batterie, die für eine komfortable Reichweite von bis zu 15 Kilometern sorgt. Unermüdlich wirbt Ludwig weiter für den Elektro-Roller: „Neben den Betriebsversammlungen war auch die ein oder andere Geheimaktion in einer Tiefgarage dabei“, erzählt er. Das zahlt sich aus. Im Herbst 2017 fällt schließlich die Entscheidung, den Last Mile Surfer bei Volkswagen Sachsen zu bauen.

Als er dann erstmals beim Autosalon in Genf im Frühjahr dieses Jahres das Licht der Öffentlichkeit erblickte, hat er seinen Namen gewechselt und heißt in Zukunft  Cityskater. Die Zeit ist offenbar reif für diesen Elektro-Scooter, was auch einige Markterhebungen belegen. Ludwig ist daher überzeugt: „Mit dem Cityskater bringen wir ein gutes Produkt auf den Markt. Die Kunden wollen ihn, vor allem die jungen Leute. Die Investition über den Innovationsfonds in die Mikromobilität wird sich wohl rechnen.“

Ende Juni hat die Vorserie am sächsichen Fertigungsstandort St. Egidien begonnen. Anfang  des kommenden Jahres soll dort die Serienfertigung beginnen. Etwa 20 meist leistungsgewandelte Mitarbeiter werden dann den Elektro-Flitzer in einer 2.700 Quadratmeter großen Halle bauen. An zehn entkoppelten Arbeitsstationen und ohne Taktbindung. Montagewagen übernehmen dann den Transport von Station zu Station. Bis zu 140 Exemplare können hier am Tag durchlaufen. Für Marcus Kunz, der seit gut einem Jahr den Bereich „Mikromobilität in Sachsen“ leitet, ist das ein guter Anfang. „Volkswagen entwickelt sich zum Mobilitätsdienstleister“, sagt er. 
„In diesem Übergangsprozess ist 
der Cityskater ein wichtiger und 
sehr konkrete Schritt.“

Hier wird der City­skater gebaut

Der Standort St. Egidien gehört zur Volkswagen Sachsen GmbH und liegt knapp 18 Kilometer nordöstlich des Fahrzeugwerks Zwickau. Seit 2014 bauen hier rund 100 Mitarbeiter Tankmodule für Erdgasautos, sogenannte Gasracks. Das Werksgelände ist mit gut 10.000 Quadratmetern etwa so groß wie eineinhalb Fußballfelder. Darüber hinaus bauen die Mitarbeiter in St. Egidien Sonderfahrzeuge als Individualumbauten oder in Kleinserie, zum Beispiel für die sächsische Polizei.

Mikromobilität made by Volkswagen

Im Frühjahr 2018 stellte Volkswagen Chef Herbert Diess den Cityskater als seriennahe Studie erstmals dem automobilen Messepublikum auf dem Automobilsalon in Genf vor.

Der elektrische Roller ist ideal für kurze Strecken im Stadtverkehr. Der Cityskater zeigt, wie Volkswagen sich vom Autobauer zum Mobilitätsanbieter wandelt.

Der Cityskater


E-Motor  450 Watt Höchstleistung
Höchstgeschwindigkeit  20 km/h
Reichweite  bis zu 15 km
Gewicht  11,9 kg

... wird elektrisch am Hinterrad angetrieben. Anders als ein Skateboard hat er ein Trittbrett mit eigenem Rad für das linke wie das rechte Bein. Man bedient den Cityskater an einem Steuerstab und lenkt mit dem Körper, indem man wie beim Skifahren das Gewicht von einem auf das andere Bein verlagert. Den Cityskater kann man zusammenklappen und so leicht im Kofferraum verstauen. Oder mitnehmen wie eine Aktentasche.

Der Elektro-Motor startet per Handgriff am Steuerstab. So gibt man auch Gas oder bremst. Der Cityskater fährt bis zu 20 km/h schnell und kommt mit einer Ladung rund 15 Kilometer weit. Das Leichtgewicht (11,9 Kilogramm) passt locker in den Kofferraum oder im Büro unter den Schreibtisch. Er hat natürlich Vorder- und Rücklicht und eine Hupe.
Zu kaufen gibt es den Cityskater voraussichtlich ab Frühjahr 2019 bei den Händlern, bei Volkswagen Zubehör sowie online im Internet.

Das Konzeptfahrzeug –

damals noch ohne Licht und Batterie-Managementsystem. 
Die Batterien befanden sich in den Trittbrettern und mussten zum Laden ausgebaut werden.

Der Prototyp –

mit Frontscheinwerfern, Heckleuchte mit Bremslicht 
und Signalhorn. Die Batterie befindet sich im Lenkstock und ist ohne Ausbau zu laden.
Gewicht: 17 Kilogramm.

Das Serienmodell –

mit hydraulischer Scheibenbremse, zweifachem Klappmechanismus und stärkeren Batteriezellen im Lenkstock. Gewicht: 
11 Kilogramm.