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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

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Nur die Qualität zählt

Bei der Markenabnahmefahrt der Qualitätssicherung testen Konzern-Chef Herbert Diess, Marken-COO Ralf Brandstätter und andere Top-Manager mehr als ein Dutzend Volkswagen Modelle zwischen Wolfsburg und Magdeburg.


So lief die Markenabnahmefahrt

  7.30 Uhr    Briefing
  7.45 Uhr    Statische Funktionsbeurteilung
  8.45 Uhr    Markenabnahmefahrt, Teil 1
11.45 Uhr    Händlerbesuch in Magdeburg
12.15 Uhr    Markenabnahmefahrt, Teil 2
15.45 Uhr    Standbeurteilung und
                     Abschlussbesprechung

 

Guido Koch (rechts), Leiter Qualitätssicherung Gesamtfahrzeug, informiert am Morgen die Teilnehmer über die Modelle sowie die Strecke und teilt die Teams ein.

Abnahmefahrt rund um Wolfsburg, Treffpunkt: Halle 105, unweit der Forschung und Entwicklung im Werk Wolfsburg. Kaum ein Top-Manager der Marke lässt sich das entgehen. Die Markenabnahmefahrt der Qualitätssicherung ist ein fester Termin im Kalender. Vier Mal im Jahr. Auch Konzern-Chef Herbert Diess und Ralf Brandstätter, der seit einigen Wochen neben der Beschaffung als Chief Operating Officer (COO) auch die Geschäfte der Marke Volkswagen führt, sind dabei. Darüber hinaus reihen sich auch die Manager ein, die für die Entwicklung, die Produktion sowie die Elektrik und Elektronik verantwortlich sind. Wie auch einige Baureihenleiter und Werkleiter von den Standorten, deren Modelle getestet werden. Insgesamt zwei Dutzend Testfahrer sind es heute, die 14 Modelle auf gut 220 Kilometern Strecke testen.

Konzern-Chef Herbert Diess steigt an einer Wechselstation aus einem Passat Variant¹ aus, der im nächsten Jahr nach einer Produktaufwertung in Emden vom Band laufen wird.

Vorstandschef Diess steigt zuerst in 
den T-Cross ein, der wenige Monate vor dem Serienstart steht. Sportlich fährt er los. Motor-Check. Der Turbobenziner zieht gut durch und klingt kernig. Zu kernig. An der Akustik ist noch etwas zu tun. „Das ist für den jetzigen Reifegrad unseres neuen SUV aus Pamplona aber völlig in Ordnung“, sagt Diess und betont: „Ich bin den T-Cross in der Entwicklung oft gefahren. Bei den Abnahmefahrten ist es mir besonders wichtig, ein eigenes Gefühl für ein Auto zu bekommen und früh einzugreifen, falls etwas nicht in die richtige Richtung laufen sollte.“

Bis ins kleinste Detail – Marken-COO und Einkaufs-Chef Ralf Brandstätter sowie Produktionsvorstand Andreas Tostmann (vorn) prüfen die Türbeklebung beim Golf GTI TCR5.

Auf Herz und Nieren prüfen die Testfahrer, die in zwei Teams eingeteilt werden, neue Modelle wie eben den T-Cross und die große Produktaufwertung des Passat. In wenigen Wochen gehen sie in die Serienfertigung. Denn die Q-Abnahmefahrt steht an einer wichtigen Station im Produktentstehungsprozess (PEP): dem Übergang von der Vorserie in die Serienfertigung. Außerdem nehmen sich die Qualitäts-Tester einmal im Jahr die Autos vor, die schon in der Serie sind und an Kunden verkauft werden: den Tiguan zum Beispiel, den Polo, den Golf Sportsvan2 „Join“, den e-Golf3, den Touran oder den Arteon R-Line4. Entsprechen diese Modelle jetzt, da sie fertig vom Band gelaufen sind, den hohen Qualitätsstandards, die für die Marke Volkswagen gelten?

Das Finale der Markenabnahmefahrt: Bei der Schlussbesprechung in Halle 105 kommen alle Ergebnisse auf den Tisch und Aufgabenpakete werden geschnürt.

Vor den 14 Modellen und den Test-Teams liegen 220 Kilometer auf Bundes- und Kreisstraßen zwischen Wolfsburg und Magdeburg. Mit einem Dutzend Wechselstationen. Das Prinzip: Jeder nimmt einmal am Steuer Platz und hat rund 20 Minuten, um sich einen Eindruck vom Auto zu verschaffen und sein Urteil zu Protokoll zu geben. Das führen die Mitarbeiter von Guido Koch (49), dem Leiter Gesamtfahrzeug in der Qualitätssicherung. Er ist seit 2013 verantwortlich für die Markenabnahmefahrten und bringt viel Erfahrung mit.

»Mit der Markenabnahmefahrt haben wir ein gutes Frühwarnsystem, um das hohe Qualitätsniveau unserer Marke zu erreichen.«

Hans-Joachim Rothenpieler, Leiter Konzernqualitätsmanagement,
ab November Vorstand Technische Entwicklung bei Audi

Diskussionen an einer Wechselstation: Die Testfahrer sammeln sich am Heck und diskutieren die beste Lösung für die Auskleidung des Kofferraums.

Die Stärke der beiden Test-Mannschaften und der Ergebnisse liegt in der Vielfalt. Schließlich fährt jeder anders und legt auf andere Details wert: Der eine achtet besonders darauf, wie die Materialien verarbeitet sind und sich anfühlen, etwa im Cockpit rund um das  Handschuhfach oder in der Mittelkonsole. Andere richten ihr Augenmerk stärker auf das Infotainment oder den Motor.

Drei „Wolfsburger“ auf Marken­abnahmefahrt – der Tiguan „Join“6, ein e-Golf, der gut sechs Wochen zuvor vom Band gelaufen ist, und ein Sportsvan „Join“, gebaut ­Anfang September.

Wechselstation Nummer zwei ist bei Weddendorf, 20 Kilometer östlich von Wolfsburg. Ralf Brandstätter schiebt den Sitz des T-Cross weit nach hinten und stellt die Rücklehne ein. Das sind immer seine ersten Handgriffe. Der neue COO der Marke misst mehr als 1,90 Meter und will – wie andere Kunden in Basketballer-Größe auch – eine bequeme Sitzposition finden. Kein Problem im nächsten SUV der Marke, selbst mit einem Erwachsenen dahinter. Dann streicht Brandstätter sanft über Cockpit und Schalttafel. Er ertastet die Qualität der Oberflächen, der Fugen und bei den Schaltern. „Ich lege großen Wert darauf, Kontakt zu den Produkten auf ihrem Weg von der Entwicklung in die Serie 
zu haben“, sagt Brandstätter.

Diskussionen in Halle 105 – bei der „statischen Funktionsbeurteilung“ ging es unter anderem um die nächste Generation des Modularen Infotainment-Baukastens (MIB).

Entwicklungs-Chef Frank Welsch horcht richtig ins Auto hinein, als er am Lenkrad sitzt. Der Sound des Motors, das Abrollgeräusch der Reifen, der Fahrtwind am Seitenfenster oder der A-Säule – auf dies und mehr achtet er. Kräftig betätigt Welsch die Fußbremse und findet heraus, wie und wann sie zupackt. Langsam dreht der Entwicklungs-Chef dann den Schalter für die Temperaturregelung und lauscht dem leisen Klicken. Alles in Ordnung.

Das Team, das die Markenabnahmefahrt auf die Beine stellt (von links nach rechts): Stefan Wartenberg, Timo Prilop, Nils Paschkowiak, Tobias Klettke, Rino Habelitz, Stefan Sprenger, Sven Frank, Phillip Jahns, Daniel Kunze und Guido Koch.

Kein Detail entgeht den Fachleuten auf dieser Abnahmefahrt, die gut acht Stunden dauert. Bei der Abschlussbesprechung am Nachmittag in Halle 105 kommt dann alles auf den Tisch. Offen besprechen die Experten, an welchen Stellschrauben in den nächsten Wochen zu drehen ist. Aufgabenpakete werden geschnürt und verteilt, um die Modelle, die heute im Check waren, weiter zu verbessern. Das Ringen um die höchste Qualität – die Volkswagen Qualität – geht in die nächste Runde.

Drei Fragen an Guido Koch

Der Leiter Qualitätssicherung Gesamtfahrzeug erklärt, was es mit 
dieser Abnahmefahrt auf sich hat.

Welche Bedeutung hat die Markenabnahmefahrt?
Ziel der Abnahmefahrt ist es, in der letzten Phase vor dem Serienstart die Modelle aus Kundensicht zu beurteilen und damit eine hohe Kundenzufriedenheit zu erreichen. Sie liegt in der Verantwortung der Qualitätssicherung, kurz: Q. Vorgeschaltet ist bereits ein „Q-Absicherungslauf“. Dabei werden die Modelle auf unseren Stationen unter verschiedenen Klima- und Landesbedingungen unter Kundengesichtspunkten eingesetzt. Die Fehler, die da auftreten, stellen wir dann in enger Zusammenarbeit mit der Technischen Entwicklung (TE) und mit den Qualitätssicherungen der Werke ab. Im Produktentstehungsprozess (PEP) übernimmt die Q ab der Produktionsversuchsserie (PVS) die Verantwortung von der TE.

Wie wird die Markenabnahmefahrt vorbereitet?
Wir sammeln die Erkenntnisse aus dem Absicherungslauf und aus den Vorbeurteilungen unserer Fachgruppen in sogenannten Schwerpunktlisten. Meine Mitarbeiter in den einzelnen Fachgruppen der „QS-Gesamtfahrzeug“ prüfen die Modelle also bereits vor der Markenabnahmefahrt auf Herz und Nieren. Sie haben höchste Kompetenz und zeigen außergewöhnlichen Arbeitseinsatz. Verbunden ist der Job auch mit Beurteilungen der Autos auf unseren Stationen in den Kernmärkten der Welt. Das sind alles „Car-Guys“, denen gute Autos mit wettbewerbsüberlegener Qualität absolut am Herzen liegen.

Welche Erkenntnisse gewinnen Sie mit der Markenfahrt?
In den Abnahmefahrten wird den Verantwortlichen aus den Werken und TE sowie dem Vorstand am Produkt gezeigt, wie hoch der Reifegrad der Fahrzeuge ist. Es werden Entscheidungen darüber getroffen, ob noch qualitätsverbessernde Maßnahmen einfließen. Auch Serienstarts werden hier bestätigt oder verschoben, wenn es erforderlich ist.