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Anna Blässe: »Unsere Stars ordnen sich unte

Die Fußballerin des VfL Wolfsburg verrät im Interview, was das Erfolgsgeheimnis ihres Teams ist, welchen Spitznamen ihre Mitspielerinnen ihr verpasst haben und welche Poster früher in ihrem Zimmer hingen.

Frau Blässe, vier Spiele, vier Siege – wird der Gewinn der deutschen Meisterschaft in dieser Saison ein Selbst­läufer für den VfL Wolfsburg?
Nein, auf gar keinen Fall!. So eine Saison ist ganz schön lang, wir müssen in jedem Spiel abrufen, was wir können. Natürlich 
sind wir Favorit, die Meisterschaft ist unser erklärtes Ziel. Für mich ist das nach wie vor der wichtigste Titel. Um ihn zu gewinnen, muss man nämlich konstant gut spielen.

Was zeichnet den VfL in dieser Saison aus?
Unser großer Vorteil ist, dass der Kern der Mannschaft zusammengeblieben ist. Wir wachsen immer besser zusammen. Es ist ein großer Vorteil, wenn man weiß, wie der andere tickt – auf dem Platz, aber auch neben dem Platz. Und ganz wichtig: Wir haben eine gute Hierarchie bei uns im Team. Wir haben viele Spielerinnen, die in ihren Nationalteams Stars sind – und sich hier beim VfL trotzdem unterordnen. Das ist das Geheimnis unseres Erfolgs.

Sie sind die dienstälteste Spielerin im VfL-Trikot und mit 31 Jahren mittlerweile auch eine der ältesten. Fühlen Sie sich alt?
Alt? (lacht) Nein, ganz und gar nicht. Weder mental noch körperlich. Ganz im Gegenteil: Meine Fitness-Werte werden sogar von Saison zu Saison besser. Meine Mitspielerinnen nennen mich schon Benjamin Button – in Anlehnung an den berühmten Kinofilm über einen Mann, dessen biologische Uhr rückwärts läuft. Und meine Mutter scherzt, ich sei immer noch in der Pubertät. Wahrscheinlich wird man als Mannschaftssportler etwas langsamer erwachsen …

Was möglicherweise auch damit zu tun hat, dass immer wieder junge Spielerinnen nachrücken. Geben Sie, als erfahrene Kraft, den 17-, 18-, 19-Jährigen dann Tipps?
Wenn junge Spielerinnen mich um Rat fragen, dann gebe ich gerne Tipps. Ich bin mittlerweile so lange dabei, da weiß ich, wie bestimme Dinge laufen müssen. Ich gebe den Mädels dann immer mit auf den Weg, sich im Training bloß nicht zu verstecken, sondern mutig zu sein.

Von wem hatten Sie in Ihrer Jugendzeit eigentlich Poster im Zimmer hängen?
Von Mehmet Scholl und David Beckham. Von Beckham aber eigentlich nur, weil er gut aussieht. (lacht)

Sie sind in Weimar groß geworden, haben eine Saison in Hamburg gespielt, leben jetzt seit mehr als elf Jahren in Wolfsburg. Ist das Ihre Heimat?
Für mich ist Heimat der Ort, an dem ich mich wohlfühle. Und das ist in Wolfsburg definitiv der Fall. Ich lebe gerne hier und kann mir auch durchaus vorstellen, nach meinem Karriereende hier zu bleiben …

… und wieder bei Volkswagen zu arbeiten?
Ganz genau. Ich habe bis 2015 als Euro-Management-Assistentin in der Beschaffung Metall gearbeitet, ehe ich mich habe freistellen lassen. Ich bin Volkswagen dankbar für die Möglichkeit, mich voll und ganz auf den Fußball zu konzentrieren. Vorher war es ja zuweilen so, dass ich morgens um 6 Uhr im Büro war, um 8 Uhr zum Training gefahren bin und anschließend wieder ins Büro. Da haben mir meine Kollegen so manches Mal den Rücken freigehalten.

ANNA BLÄSSE (31)

Die in Weimar geborene Stürmerin wechselte 2007 im Alter von 20 Jahren zum VfL Wolfsburg. 
Bis heute gewann sie mit dem Klub elf Titel, darunter zweimal die Champions League. Parallel arbeitete die gelernte Bürokauffrau viele Jahre bei Volkswagen. 
2015 ließ sie sich freistellen.

Haben Sie zu denen noch Kontakt?
Ja. Mit einigen unternehme ich auch 
privat immer mal wieder etwas. Nach den Titelgewinnen in der Vorsaison habe ich von vielen auch Glückwunsch­nachrichten bekommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Profi-Sportlerin – das klingt für viele 
nach einem Traumjob. Ist es das auch?
Grundsätzlich schon. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich habe ein aufregendes Leben und bin viel unterwegs. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass ich in meinem Privatleben kaum etwas planen kann. Es gibt Wochen, da lohnt es sich für mich kaum, im Supermarkt einkaufen zu gehen, weil ich kaum zuhause bin. Hinzu kommt der Druck, körperlich und mental immer fit zu sein. Es gibt Tage, an denen ich mir wünsche, bis 17 Uhr im Büro zu arbeiten und danach machen zu können, was ich möchte. Ohne auf den Spiel- und Trainingsplan Rücksicht nehmen zu müssen.

Hätten Sie sich, als Sie 2007 zum VfL gewechselt sind, träumen lassen, welche Entwicklung der Verein nehmen würde?
Nein, absolut nicht. Hätte ich das gewusst, hätte ich mich wahrscheinlich auch gar nicht getraut, hierhin zu wechseln. Es ist schon Wahnsinn, wie sich der Frauen-Fußball im Allgemeinen und der VfL Wolfsburg im Speziellen entwickelt haben. Ich bin quasi mit dem Verein mitgewachsen …

»Für mich ist Heimat der Ort, an dem ich mich wohlfühle. Und das ist in Wolfsburg definitiv der Fall«

… und hier zur A-Nationalspielerin geworden. Das letzte Ihrer 27 Länderspiele liegt nun allerdings schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Ist das Kapitel Nationalmannschaft für Sie beendet?
Nein, ich habe noch keinen Haken 
dahinter gemacht. Wichtig ist, dass 
ich beim VfL gute Leistungen bringe. Und dann sehen wir mal, was noch passiert.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch über das Männer-Team sprechen. Nach zuletzt zwei schwachen Spielzeiten scheint es in dieser Saison wieder aufwärts zu gehen.
Ja, den Eindruck habe ich auch. Es mag komisch klingen, aber manchmal musst du schlechte Phasen durchleben, um daran zu wachsen – als Verein, als Team und auch als Spieler.