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Nach 47 Jahren: Klaus Wenzel geht in Altersteilzeit

Chef der Schwerbehindertenvertretung freut sich nun auf mehr Zeit für die Familie, das Reisen und das Lesen.

Als Klaus Wenzel das Bundesverdienstkreuz überreicht bekam, bezeichnete Betriebsrats-Chef Bernd Osterloh ihn als das soziale Gewissen von Volkswagen. Und Personalvorstand Gunnar Kilian betonte unlängst, dass Inklusion bei Volkswagen eng mit dem Namen Klaus Wenzel verbunden sei. Der aber spricht nicht gerne über Orden, sondern lieber über seine 47 Jahre bei Volkswagen, seine Zeit als Betriebsrat und vor allem als Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen. Diese Zeit geht nun zu Ende: Mitte Oktober beginnt für den 62-Jährigen der passive Teil der Altersteilzeit.

Inklusion und Schwerbehindertenrecht waren seit 2002 Wenzels große Themen – unter anderem als Betriebsrat für die leistungsgewandelten Work-2-Work-Mitarbeiter und als Vertrauensperson der Beschäftigten mit Schwerbehinderung, zuständig für AG und Konzern in Deutschland. Er setzte sich für die Rechte von mehr als 3.000 Beschäftigten in Wolfsburg ein, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens standen. „Man hört von schweren Schicksalsschlägen und muss lernen, damit umzugehen. Anfangs hatte ich auch nach Feierabend daran zu knabbern“, gibt Wenzel zu. Work-2-Work, betriebliches Eingliederungsmanagement, Inklusion – all das hat er bei Volkswagen vorangetrieben.

Er hinterlässt aber mehr: Wenzel hat über die in der IG Metall ausgearbeiteten Forderungen Einfluss auf das neue Bundesteilhabegesetz genommen. Es sieht unter anderem mehr Schwerbehinderten-Vertreter in den Unternehmen vor. Allein in Wolfsburg stieg damit im Oktober die Zahl von zwölf auf 30. „Damit wird sich die Betreuung der schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen deutlich verbessern“, sagt Wenzel. Er geht mit einem guten Gefühl. „Wir bei Volkswagen sind trotz einiger Defizite noch immer Benchmark beim Thema Inklusion mit Leuchttürmen wie Work-2-Work, der Westrampe und dem neuen Demografieprojekt in Halle 35. Für die ersten beiden Projekte haben wir 2013 sogar den deutschen Inklusionspreis bekommen.“ 

Als größten Erfolg seiner Zeit als Gewerkschafter und Betriebsrat bezeichnet Wenzel den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung („Vier-Tage-Woche“) im Jahr 1993. „Damals standen 30.000 Arbeitsplätze auf der Kippe“, erinnert er sich. Als Mitglied der Großen Tarifkommission stimmte er über den ausgehandelten Kompromiss mit ab: weniger Arbeitszeit (28,8 Stunden) und weniger Entgelt. „Aber das Monatseinkommen haben wir den Kolleginnen und Kollegen gehalten, nur das Jahresentgelt war niedriger. Dafür blieben aber die Stellen erhalten. Bei Volkswagen reden wir eben nicht nur von Solidarität, wir praktizieren sie auch“, sagt Wenzel.

Geprägt vom Elternhaus, hat er sich früh sozial engagiert. Schon im Alter von 16 war Wenzel Vertrauensmann. Begonnen bei Volkswagen hatte er als 15-Jähriger. Er lernte Universalschleifer und weiß noch, wie er als schmächtiger junger Mann zum ersten Mal mit einer riesigen Armfeile am Schraubstock stand. Damals, Anfang der 1970er Jahre, holten in einigen Orten noch blaue Werksbusse die Mitarbeiter ab. „Man konnte sich nicht einfach hinsetzen. Es gab feste Plätze und man musste einen älteren und erfahrenen Kollegen fragen, wo frei ist.“

»Damals standen 30.000 Arbeitsplätze auf der Kippe«

Und was plant Wenzel im Ruhestand? Langweilig wird ihm sicher nicht, schließlich ist er ehrenamtlicher Bürgermeister in Grafhorst (Kreis Helmstedt), Mitglied des Samtgemeinderats und des Kreistags. Außerdem will er noch mehr skandinavische Krimis lesen, mit seiner Frau an die Nord- und Ostsee fahren und mit der zweijährigen Enkelin spielen.