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Brandstätter: Mit weniger Varianten zu mehr Erfolg

So plant der neue Chief Operating Officer (COO) für die Zukunft der Marke Volkswagen.

Will die Marke effizienter machen: COO Ralf Brandstätter ist seit gut
 100 Tagen in seinem neuen Amt.

Den COO gibt es zum ersten Mal in der Geschichte von Volkswagen.
 Warum ist das so?
Seit Herbert Diess nicht nur Vorsitzender des Markenvorstands, sondern auch Konzernvorstandsvorsitzender ist, gab es schnell Einigkeit darüber, dass aufgrund der Fülle beider Aufgaben manche Dinge vielleicht liegen bleiben könnten. Der COO sorgt also für den reibungslosen Ablauf des Tagesgeschäfts der Marke Volkswagen, sodass Herr Diess sich auf strategische Fragestellungen konzentrieren kann.
Meine Aufgabe als COO ist es, die Marke effizient zu steuern, damit wir unsere Ziele schnell erreichen und gemeinsam über alle Fachbereiche hinweg die Synergien und Potenziale der Marke Volkswagen voll ausschöpfen. Wir stellen heute die Weichen, um Volkswagen fit für die Zukunft zu machen.

Aber was genau tun Sie als COO?
Meine Aufgaben sind vielfältig: Unter anderem steuere ich verschiedene Gremien. Um erfolgreich zu sein, müssen wir noch enger bereichsübergreifend zusammenarbeiten, um schnell optimale Lösungen zu finden. Es geht also darum, sicherzustellen, dass unsere Kernbereiche noch enger verzahnt zusammenarbeiten.
Nicht zuletzt bin ich gefragt, gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden erarbeitete Strategien auch umzusetzen. Und zwar so, dass Ergebnisse termingerecht ins Ziel kommen.


Sie sind schon lange bei Volkswagen. Man könnte also sagen, dass Sie das Unternehmen aus dem Effeff kennen.
Zumindest habe ich bei Volkswagen viel kennengelernt. Begonnen habe ich 1984 im Werk Braunschweig mit einer Ausbildung zum Betriebsschlosser. Anschließend habe ich in der Produktion in der Lenkungsmontage im Schichtbetrieb gearbeitet. Danach Abitur und Studium zum Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Produktionstechnik. Nach dem Studium 1993 bin ich dann in der Beschaffung eingestiegen. Nach verschiedenen Stationen in diesem Bereich und im Generalsekretariat kam der Wechsel nach Spanien zu Seat als Einkaufsvorstand. Nach meiner Rückkehr nach Wolfsburg war ich als Bereichsleiter in der Beschaffung tätig, bis ich im Dezember 2015 zum Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen und dieses Jahr im August zusätzlich zum COO berufen wurde.

»Wir müssen noch enger bereichs-übergreifend zusammenarbeiten, um schnell optimale Lösungen zu finden.«

Ralf Brandstätter, Volkswagen COO

Was war Ihre wichtigste Entscheidung in jüngster Zeit?
Das neue Messverfahren zur Bestimmung der Abgasemissionen WLTP, das seit dem 1. September 2018 für neue Fahrzeuge eingeführt wurde, ist weiter eine große Herausforderung für uns. In 2019 wird es sogar noch eine nächste, noch anspruchsvollere WLTP-Stufe geben. Das bedeutet viel Arbeit für uns alle.
Gemeinsam mit Baureihe, Produktion, Technischer Entwicklung und Vertrieb haben wir in diesem Zusammenhang entschieden, die Komplexität für 2019 zu reduzieren. Wir verzichten auf Varianten mit sehr geringen Einbauraten. Der Grund ist klar: Wir müssen für unsere Kunden schnell wieder die breite Auswahl an Fahrzeugen im Konfigurator zur Verfügung stellen. Und das werden genau die Varianten sein, die stark nachgefragt werden.

Auto-Fan durch und durch: Beim GTI-Treffen ließ sich Ralf Brandstätter 
das Logo auf den Arm sprühen.

Und was ist kurzfristig die wichtigste Aufgabe?
Auf dem deutschen und europäischen Markt gibt es eine starke Verschiebung der Kundenwünsche – hin zum Ottomotor. Wir müssen die Kapazitäten in der Produktion in den Werken so steuern, dass wir die Kundenwünsche schnell und in gewohnter Qualität bedienen können.

Sie wollen die Wirtschaftlichkeit der Marke weiter steigern. Was bedeutet das konkret?
Gerade erst hat die Marke Volkswagen Pkw ihren Bericht für das dritte Quartal veröffentlicht. Die Marke hat sich weiter gut entwickelt. Nach den ersten neun Monaten liegen wir bei Auslieferungen und Umsatz über Vorjahresniveau. Mit 4,6 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen, einem Plus von 2,9 Prozent, waren dies die erfolgreichsten ersten neun Monate in der Geschichte unserer Marke. Aber klar ist auch: Wir müssen unsere operative Rendite weiter verbessern, um schneller und stärker in die Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Modellpalette investieren zu können. Das geht nur, wenn wir uns ein Renditeziel von über sechs Prozent bis zum Jahr 2025 setzen.

Und wie wollen Sie die sechs Prozent erreichen?
Hier gibt es mehrere Ansatzpunkte: Einer ist die Reduzierung der Varianten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Golf. 2017 haben wir fast 84.000 Golf in Deutschland verkauft. Davon hatten mehr als 58.000 unterschiedliche Konfigurationen, gerade einmal 400 Golf waren identisch – von den unterschiedlichen Farben ganz abgesehen. Man kann somit behaupten, dass wir Unikate gefertigt haben. Und genau das müssen wir in Zukunft besser machen. Das hat für alle Vorteile: Die Produktion braucht weniger Lagerflächen, in der Versorgungskette benötigt man einen geringeren Steuerungsaufwand und am Ende profitiert auch der Kunde, denn auch das Bestellen im Konfigurator wird einfacher. Die Komplexitätsreduzierung ist die Voraussetzung, um die Produktivität in unseren Werken weiter zu erhöhen.

Wie kann das gelingen?
Wir haben bereits ein Team aufgestellt, das drei Stoßrichtungen verfolgt. Zum einen überprüfen wir, ob wir uns Angebotsvarianten in bestimmten Märkten oder aber auch bestimmte Motor-Getriebe- und Ausstattungsvarianten leisten können. Zum anderen schauen wir uns an, wie hoch die Teile- und Modulkomplexität sein muss. Das gehen wir jetzt zusammen mit meinen Vorstandskollegen der Entwicklung, des Vertriebs und der Produktion konsequent an.
Nicht zuletzt wollen wir die Verwaltung weiter verschlanken. Es gibt immer noch viele Prozesse im Unternehmen, die viel zu langsam und bürokratisch ablaufen. Um diesen Wandel zu schaffen, wird die weitere Digitalisierung unserer Systeme eine entscheidende Rolle spielen.

»Man kann somit behaupten, dass wir Unikate gefertigt haben.«

Entweder... oder

Fragen an Ralf Brandstätter

Weihnachten oder Ostern?
Sowohl als auch. Mit der Familie zusammen zu sein, steht
 im Mittelpunkt.

VfL Wolfsburg oder 
Eintracht Braunschweig?
VfL Wolfsburg.

Bach oder Beatles?
Eher NDR 2 oder NDR Info.

Linke oder rechte Spur? 
Hauptsache, es geht effizient voran.

Film oder Serie?
Lieber ein Buch.

Berge oder Meer?
Das Schönste für mich ist der Blick vom Berg aufs Meer.

Joggen oder schwimmen?
Und danach Fahrrad fahren!
 Ausdauersport ist für mich ein guter Ausgleich zum Berufsalltag.

Schokolade oder Gummibärchen?
Keine Frage: Schokolade. Aber bitte dunkel.