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»Jeder Mitarbeiter ist ein Risikomanager«

inside-Interview mit Hagen Repke, Leiter Konzern Risikomanagement.

Vor Kurzem hingen im Werk Wolfsburg viele Plakate, die für das Thema Risikomanagement sensibilisieren und die verdeutlichen: Jeder Mitarbeiter ist ein Risikomanager. Aber was bedeutet Risikomanagement? Darüber hat inside mit Hagen Repke gesprochen. Der 48-Jährige ist Leiter Konzern Risikomanagement.

Herr Repke, was ist unter Risikomanagement zu verstehen?
Ganz einfach ausgedrückt steht das Wort Risiko für mögliche negative Entwicklungen in der Zukunft. Wenn wir Entscheidungen treffen, ob im Privaten oder im Unternehmen, dann geschieht das meist unter Unsicherheit. Wir können die Zukunft ja nicht vorhersagen. Das ist wie beim Wetterbericht: Je weiter wir vorausschauen, desto unsicherer ist die Prognose. Ein drohendes Gewitter am Wochenende ist ein Risiko, wenn zum Beispiel ein Fußballspiel für eine Jugendmannschaft geplant ist. Und Management heißt, sich vorausschauend und systematisch darum zu kümmern. Das heißt: Das Gewitterrisiko zu bewerten und das Spiel zu verschieben, wenn Gefahr für die Gesundheit besteht.

Und was bedeutet das für Volkswagen?
Für Volkswagen bedeutet Risikomanagement, dass wir uns auf mögliche künftige Entwicklungen vorbereiten, die dazu führen können, unsere Unternehmens- oder Bereichsziele nicht zu erreichen. Dazu gehört, Risiken frühzeitig zu erkennen, realistisch zu bewerten und deren negative Auswirkungen schließlich durch geeignete Maßnahmen abzuwenden oder zumindest einzuschränken. Wenn uns das durchgängig gelingt, wird das Management von Risiken zu einem echten Erfolgsfaktor für Volkswagen.

Können Sie Beispiele für Risiken im Unternehmen nennen?
Beispiele gibt es aus allen Unternehmensbereichen, und oft haben Risiken gar nicht direkt mit unseren Geschäftsprozessen zu tun. Nehmen wir das Thema Brexit. Der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU bringt für fast alle Marken des Volkswagen Konzerns teils erhebliche Risiken mit sich. Beispielsweise könnten mögliche Einfuhrzölle unsere Kosten erhöhen. Oder ein Kursabfall des britischen Pfunds könnte dazu führen, dass unsere Fahrzeuge für britische Bürger teurer werden. Um sich auf solche Szenarien vorzubereiten, koordiniert das Konzern Risikomanagement ein marken- und bereichsübergreifendes Expertenteam, das die Auswirkungen auf den Konzern ermittelt und Gegenmaßnahmen prüft.

Motiv einer Kampagne des Risikomanagements: Es verdeutlicht, dass jeder Mitarbeiter ein Risikomanager ist. Schließlich sei jeder Einzelne Experte in seinem Verantwortungsbereich und wisse am besten, wo Risiken lauern.

Können Sie auch Beispiele für Risiken aus unserer täglichen Arbeit nennen?
Denken Sie an den Anlauf eines neuen Fahrzeugs. Ein mögliches Risiko besteht darin, den SOP-Termin, also den Termin zum Start der Produktion, zu verfehlen. Ein Auslöser dafür könnten zum Beispiel Lieferengpässe bei unseren Lieferanten sein. Ein anderer möglicher Grund sind längere Entwicklungszeiten als im Entwicklungsprozess geplant. Für die meisten Risiken gibt es bereits etablierte Prozesse, um deren Auswirkungen zu reduzieren. Trotzdem ist es wichtig, auf neue Entwicklungen zu achten, um diesen frühzeitig entgegenwirken zu können.

Das Risikomanagement ist dem Vorstandsbereich Integrität und Recht zugeordnet. Was genau hat Risikomanagement mit Integrität zu tun?
Zusammen mit den Themen Integrität, Compliance und Kultur verfolgen wir unter dem Dach der Initiative „Together4Integrity“ (T4I) das gemeinsame Ziel, Vorbild in Sachen Integrität und Compliance zu sein. Für das Thema Risikomanagement bedeutet das, dass wir alle aus Überzeugung dabei sind und ein ausgeprägtes Bewusstsein für mögliche Risiken haben. Wichtig dabei ist, die Risiken zu sehen, anzusprechen und Lösungen zu finden. Die Grundlage dafür ist eine offene und ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe. Ein Risiko ist weder ein Fehler noch ein Problem. Ein Fehler ist es aber, Risiken nicht ernst zu nehmen oder zu verschweigen, denn dann können sie zum Problem werden.

Sie sprechen davon, dass alle Mitarbeiter ein Bewusstsein für mögliche Risiken haben sollten. Aber es heißt Risikomanagement. Ist es dann nicht ein reines Thema für Manager?
Ganz im Gegenteil! Risikomanagement ist viel zu wichtig, als dass man es nur den Managern überlassen sollte. Jeder ist ein Risikomanager, weil jeder der Experte in seinem Verantwortungsbereich ist und daher am besten weiß, wo Risiken lauern und wie diese einzuschätzen sind.

Also: Was genau kann ich tun, der ganz normale Mitarbeiter?
Setzen Sie bei Ihrer täglichen Arbeit die „Risiko-Brille“ auf! Wenn Sie Risiken identifizieren, sprechen Sie diese bitte offen an. Seien Sie standhaft, auch wenn es sich um unangenehme Nachrichten handeln mag. Im ersten Schritt sollten Mitarbeiter Risiken gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten diskutieren und selbst durch geeignete Maßnahmen steuern. Falls dies nicht ausreicht, machen Sie die Risiken transparent und informieren Sie die nächste Managementebene. Selbstverständlich bieten auch wir vom Konzern Risikomanagement Unterstützung an.

Risikomanagement

Das Konzern Risikomanagement (Group Risk Management) ist ein Bereich im Vorstandsressort Integrität und Recht. Dort arbeiten aktuell 33 Frauen und Männer. Im Risikomanagement werden Standards und Prozesse zur konzernweit einheitlichen Bewertung und Steuerung von Risiken verantwortet. Dazu gehören auch die Beratung und Unterstützung aller an den Prozessen beteiligten Mitarbeiter und ihrer Manager.

Bei Fragen zum Risikomanagement können Mitarbeiter eine E-Mail schreiben an: rms-ics@volkswagen.de. Oder sie besuchen die Group-Connect-Seite https://soco.volkswagen.com/sbc/community/group-risk-management