inside
Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Unternehmen

„Alle ziehen voll mit“

Das Volkswagen Motoren-Leitwerk in Salzgitter wird künftig auch Bauteile für die I.D. Familie fertigen, in die Prototypenfertigung für die Brennstoffzelle einsteigen und eine Pilotanlage für die Batteriezelle aufbauen. Werkleiter Christian Bleiel sprach mit inside über ein Werk im Wandel.

Er führt ein Werk mit 86 Fertigungslinien und mehr als 7.000 Mitarbeitern: Christian Bleiel sieht seinen Standort Salzgitter auf einem guten Weg in die Elektromobilität.

Sie leiten ein Werk mit 86 Fertigungslinien: Wie steuert man das?
Indem man das Werk unternehmerisch führt. Wir haben für jede Fertigungslinie anspruchsvolle, erreichbare Ziele vereinbart. Maßnahmen definieren wir für das gesamte Werk gemeinsam und setzen sie konsequent um – allein in diesem Jahr schon mehr als eintausend. Dabei hilft uns auch unser Shopfloor Management. Das bedeutet, dass wir Themen direkt vor Ort angehen und alle Menschen beteiligen. Eine durchgängige Transparenz hilft allen zu sehen, wo wir stehen.

Salzgitter ist das Motoren-Leitwerk. Wie ist der Standort wirtschaftlicher geworden?
Wir haben den Anspruch, die effizientesten Prozesse in der Produktion, Entwicklung und Organisation an den Start zu bringen. Ziel für 2017 ist, unsere Produktivität um 7,5 Prozent zu steigern. Im ersten Halbjahr waren wir schon ganz gut unterwegs. Entscheidend ist aber die zweite Halbzeit. Hier müssen wir jetzt richtig kämpfen, zumal wir uns gerade im Hochlauf für zwei neue Motoren befinden.

» Wir haben eine verlässliche Perspektive weit über das Jahr 2020 hinaus. «

Geben Sie uns einige Beispiele?
Fertigungslinie für Fertigungslinie steigern wir die Stückzahlen mit zahlreichen technischen und organisatorischen Maßnahmen. Wenn wir die Stückzahlen in den Linien erhöht haben, können wir Schichten zum Wochenende hin streichen. In den indirekten Bereichen schaffen wir dieselben oder sogar mehr Tätigkeiten mit 200 Personen weniger als vorher. Und wir trennen uns konsequent von unwirtschaftlichen Komponenten wie den Marinemotoren und dem Blockheizkraftwerk. Damit schaffen wir auch Ressourcen und Raum für die Komponenten für Elektroantriebe.

Was bedeutet die Elektromobilität für ­den Standort Salzgitter?
Das ist die größte Herausforderung seit Bestehen des Standortes. Wir werden weniger Diesel benötigen und mehr Benziner. Und die Zukunft ist elektrisch. Der notwendige Transformationsprozess ist im Zukunftspakt vereinbart und beschrieben. Für den Standort ist es eine echte Chance, Bauteile für den Elektroantrieb in einer hohen Skalierung zu bauen – täglich bis zu 2.000 Einheiten. Neben Stator und Rotor, die dann in Kassel montiert werden, beschäftigen wir uns mit elektrischen Pumpen und auch mit dem Klimakompressor. Und wenn wir es wirtschaftlich und technisch darstellen können, mit Batteriezellen. Damit haben wir eine verlässliche Perspektive weit über das Jahr 2020 hinaus.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Werk Kassel, das die Elektroantriebe fertigt?
Das läuft rund wie mit allen Standorten der Komponente. Die Rollen sind klar verteilt und wir arbeiten Hand in Hand. Weil die Fertigung für den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) auf mehrere Werke verteilt ist, profitieren alle vom Know-how-Transfer.

Der Claim von Volkswagen Salzgitter ist „Wir bewegen“. Was bedeutet das für die Zukunft?
Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren liefern wir mit unseren Aggregaten sozusagen das Herz. Unsere Vision ist, dass wir künftig auch beim MEB, also konkret beim I.D., das Herz beisteuern.

Wie bauen Sie bei der Pilotanlage für ­Batteriezellen neues Know-how auf?
Wir gehen Schritt für Schritt vor. Zunächst arbeiten wir an den Fertigungsverfahren für eine funktionsfähige Zelle, dem sogenannten A-Muster. Dann wollen wir mit einer Pilotlinie innovative Fertigungs­verfahren im industriellen Maßstab um­setzen. Hier werden wir unser ganzes Serien-Know-how einbringen, um Batteriezellen auch wirtschaftlich zu bauen. Schon jetzt entwickeln wir unsere Belegschaft ständig weiter. So sind zum Beispiel einige Mitarbeiter Woche für Woche bei Anlagenherstellern und unserem Joint Venture mit Varta, um Know-how aufzubauen. Uns erreichen zudem viele Initiativ­bewerbungen für die neuen Bereiche, die mit der Elektromobilität kommen. Aktuell verstärken wir uns gezielt mit Experten aus dem Konzern und von extern.

Wie nehmen Sie die Mitarbeiter auf dem Weg in die Elektromobilität mit?
Wichtig ist das gemeinsame Ziel. Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie unser Standort im Jahr 2030 aussehen soll und darauf arbeiten wir konsequent hin. Wir beherrschen große Stückzahlen und hohe Komplexität, bringen unser ganzes Großserien-Know-how und unsere Innovationserfahrung ein – Ziel ist ein Innovations- und Technologiesprung. Die Mannschaft freut sich auf diese neue Technologie. Alle ziehen voll mit.

Christian Bleiel

leitet das Werk Salzgitter und das Geschäftsfeld Motor. Der Diplom-Ingenieur kam 1990 zu Volkswagen und leitete ab 1999 in Salzgitter den Bereich Motorenkomponenten. 2004 wurde er Fertigungsleiter und hatte von 2009 bis 2014 die Geschäftsführung von Volkswagen Motor Polska inne.

» In der Fertigung der Brennstoffzelle können wir unser Know-how gut nutzen. «

Welche Bedeutung hat es für den Standort, in die Prototypenfertigung für die Brennstoffzelle einzusteigen?
Die Brennstoffzelle ist eine Option für die Zukunft nach 2020. Auch hier bringen wir unser Know-how ein, zum Beispiel aus der Pumpenentwicklung und -fertigung oder der Montagetechnik. Hier geht es ebenfalls darum, die Technologie kostengünstiger und damit marktfähig zu machen.

Wo steht der Standort Salzgitter im Jahr 2020, wenn die I.D. Familie kommt?
Salzgitter fertigt für die I.D. Familie den Stator und den Rotor, zwei wichtige Bauteile für den Elektromotor. Dazu kommen die Wasserumwälzpumpe und der Elektro-­Klimakompressor, an dem wir intensiv arbeiten. Wir fertigen außerdem hoch­effiziente Verbrennungsmotoren der neuesten Generation für alle anderen Fahrzeuge. Und wir haben die Rentabilität unseres heutigen Kerngeschäfts weiter verbessert und damit die Beschäftigung am Standort entlang der demografischen Kurve gesichert.