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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Modelle und Technik

Ein virtuoses Trio

Bruno Marques, Christian Kolano und Niels Ole Ulrich haben als deutsch-­brasilianisches Entwickler-Trio den Virtus zur Serienreife gebracht – eine Rückschau auf die Entwicklungsarbeit über den Atlantik hinweg.

8.665 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Wolfsburg und dem brasilianischen Werk in Anchieta, kaum 20 Kilometer von der Millionenmetropole São Paulo entfernt. Hier bauen gut 9.000 Mitarbeiter seit vielen Jahren den Gol, den Saveiro und seit wenigen Wochen auch den „Novo Polo“, die neue Generation des Polo. Damit nicht genug: Ein weiteres Modell steht jetzt in den Startblöcken – der Virtus. Zwei Mitarbeiter aus der Entwicklung Gesamtfahrzeug in Wolfsburg haben zusammen mit ihrem brasilianischen Kollegen und Teams auf zwei Kontinenten die Stufenhecklimousine in die Vorserie gebracht.

» Ich sorge ­dafür, dass die Wünsche der brasilianischen Kunden in den Virtus einfließen. «

Bruno Marques

Es fing für die Entwickler Ende 2014 an. Damals wurde die Aufgabenverteilung zwischen Wolfsburg und Brasilien entschieden. Darüber hinaus wurden die Zahl der Testfahrzeuge und einzelne Entwicklungsfelder wie Akustik und Fahrwerk festgelegt und auf die beiden Standorte in Brasilien und Deutschland verteilt – Arbeitsteilung in der Entwicklung des neuen Virtus über den Atlantik hinweg.

Bruno Marques (28) ist der Brasilianer im Virtus Trio. Der gelernte Mechaniker kam vor gut zehn Jahren in die Technische Entwicklung in Anchieta.

Der gebürtige Zwickauer Christian Kolano (35) begleitet das Virtus Projekt seit gut drei Jahren. Der Ingenieur für Kfz-Technik hat in der Gesamtfahrzeug­entwicklung auch das Ein-Liter-Auto XL1 begleitet.

Damit haben auch die Fachgruppensprecher Klarheit. Sie begleiten das Auto von der ersten Auslegung bis zum Serienstart. Bei den Erprobungen sind sie es, die die Fäden zusammenhalten. Sie sorgen vor allem dafür, dass das ins Auto kommt, was der Kunde in Südamerika will. Christian Kolano erklärt: „Wir sind als Fachgruppensprecher der Gesamtfahrzeugentwicklung die Anwälte des späteren Kunden in der Entwicklungsphase.“ Ein Beispiel ist, wie und wo ­ eine brasilianische Guaraná-Limonaden­flasche in die Mittelkonsole passt.

Der Tipp kommt von Bruno Marques. Er ist der Virtus Mann auf brasilianischer Seite. Schon als Kind hat er Deutsch gelernt. Jetzt ist der 28-Jährige der Verbindungsmann zwischen den Entwicklern in Anchieta und Wolfsburg: „Ich vertrete die Interessen der Kunden meines Landes und bringe sie ins Projekt ein.“ Wichtig ist ihm etwa, dass im Virtus hinten drei Erwachsene bequem sitzen können. Dafür mussten die Rückbank angepasst, der Mitteltunnel flacher und der Radstand erweitert werden.

Bis in den Sommer erfolgt die Entwicklung virtuell. Alles wird an einer Sitzkiste getestet. In dieser Zeit kommt dann Niels Ole Ulrich ins Team. Schmunzelnd erklärt der 30 Jahre alte Maschinenbauer: „In unserem Job kennt man sein Auto bald wie die eigene Wes­tentasche.“ Für ihn kommt der wichtigste Moment in der Entwicklung nach einer Testfahrt auf dem Prüfgelände in Taubaté, gut zwei Fahrstunden nord­östlich von São Paulo: „Da war ich voll und ganz überzeugt, dass der Virtus ein super Auto wird.“

» Nach einer Testfahrt in ­Taubaté war ich überzeugt, dass der Virtus ein super Auto wird. «

Niels Ole Ulrich

Das Trio testet damals die ersten Versuchsträger intensiv. Es fallen Entscheidungen über jedes Detail, vom Fahrwerk über die Assistenten bis hin zu Stoß­fängern, Felgen und Farben. Da läuft die ganz heiße Projektphase. Mit vielen Tests in Wolfsburg, in Anchieta, in der Wüste Afrikas wie am Polarkreis.

Die Ergebnisse der Testfahrten bringt das brasilianisch-deutsche Trio gleich ins Auto. Kolano, der seit fast zehn Jahren in der Entwicklung Gesamtfahrzeug in Wolfsburg tätig ist, berichtet: „Es ging über Wochen Schlag auf Schlag. Von Freigabe zu Freigabe. Wir sind den Virtus da auch ständig gefahren und konnten in die Bewertungen auch das einbringen, was wir ‚erfahren‘ haben.“

Niels Ole Ulrich (30) hat Maschinenbau für Kfz-Technik studiert und ist seit Sommer 2015 im Team der Virtus Fach­gruppen­sprecher in der Gesamtfahrzeug­entwicklung.

Der Virtus aus Anchieta – unser Neuer

Der Virtus tritt die Nachfolge des Voyage an. Die Stufenheck­limousine im Kleinwagen-Segment ist in Brasilien sehr beliebt. Auch als Exportauto in Süd­amerika. Gebaut wird der Virtus im Werk Anchieta. Für die dortige Entwicklung ist der Virtus ein bedeutsames Projekt. Etwa zwei Drittel der Mitarbeiter arbeiten daran. Zudem ist die Serienfertigung eine besondere Herausforderung, denn der Virtus steht auf einer neuen Plattform des Modularen Querbaukastens (MQB).

In Anchieta geben die beiden Wolfs­burger Kolano und Ulrich sich oft die Klinke in die Hand. Über Wochen ist immer ­einer der beiden vor Ort. Sie ver­treten sich dann gegenseitig. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks in Wolfsburg. Sie nutzen dabei die Zeitverschiebung. Fünf Stunden sind es damals. Wenn abends eine Mail nach Wolfsburg rausgeht, ist morgens oft schon die ­Antwort da. Ulrich erinnert sich gut: „Die Teamarbeit war toll. Wir konnten uns blind aufeinander verlassen.“ Das gilt auch für Marques, ihren brasilianischen Partner. Aus den Kollegen ­werden Freunde.

Das Virtus Trio hat seine Arbeit getan, als die Serienfertigung in diesem ­November anläuft. Kolano bringt jetzt als Fachgruppensprecher den Polo in Pamplona und in Uitenhage in Südafrika in die Serie. Marques und Ulrich setzen die deutsch-brasilianische Verbindung fort. Als Fachgruppensprecher bauen sie weiter Brücken zwischen den Kontinenten und befeuern die Modelloffensive in Südamerika kräftig weiter. Bald mit Derivaten des Polo und einem neuen SUV im Kleinwagen-Segment.

 Der Virtus

Unsere neue Limousine aus Brasilien

Weltpremiere des Virtus - Nur etwa 60 Tage nach dem Start des „Novo Polo“ hat in Brasilien die neue Stufenhecklimousine Virtus ihre Weltpremiere gefeiert. Der Virtus setzt im Design, in der Technik, beim Raumangebot wie bei der Leistung neue Maßstäbe in der Kompaktklasse in Südamerika.

Die Stufenhecklimousine ist 4,48 Meter lang und damit 42,5 Zentimeter länger als der Polo. Gewachsen ist auch der Radstand. Es sind 2,65 Meter und damit 8,5 Zentimeter mehr als beim Polo. Mit 521 Litern hat die Limousine ein Kofferraumvolumen wie keine in ihrer Klasse.

Der Virtus steht auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) und hat eine Vielzahl von Features an Bord - das Active Info Display, digitale Instrumente, das 8-Zoll Discover Media Infotainmentsystem und drei USB-Verbindungen.

Mit dem TSI Total Flex Motor (Ethanol) leistet der Virtus 94 kW/128 PS bei einem Drehmoment von 200 Newtonmetern. Von null auf 100 km/h fährt er in weniger als zehn Sekunden und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 194 km/h.

Im Januar 2018 wird der Virtus bei den Händlern in Brasilien stehen.