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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

E-Mobilität

»Größte Herausforderung meines Lebens«

Thomas Ulbrich leitet seit Anfang Februar das neu geschaffene Vorstandsressort Elektromobilität. Im Interview erklärt er, wie die Zusammenarbeit mit der Baureihe G4 funktioniert und welche Veränderungen auf die Mitarbeiter bei Volkswagen Sachsen zukommen.

Im Büro von Thomas Ulbrich steht seit einigen Wochen ein weißes Golf Cabrio im Miniformat. Das hat er zum Abschied von seinen ehemaligen Produktionskollegen am Standort Wolfsburg geschenkt bekommen. „Selbstverständlich elektrisch betrieben“, stellt Ulbrich lachend klar, als er inside zum Interview trifft.

Herr Ulbrich, lassen Sie uns, bevor wir nach vorne schauen, einmal kurz zurückblicken. Erinnern Sie sich noch an den Tag, als Sie Ihre Ausbildung als Kfz-Schlosser bei Volkswagen begonnen haben?

Und ob. Das war der 1. September 1983. Wir hatten in dem Jahr einen kalten Spätsommer und ich war heilfroh, endlich im Warmen arbeiten zu dürfen. Vorher hatte ich auf dem Bau gearbeitet, immer draußen, bei Wind und Wetter.

Hilft es Ihnen, dass Sie das Unternehmen von der Pike auf kennen?

Oh ja, selbstverständlich. In den mittlerweile mehr als 25 Jahren, die ich seit meinem Studium wieder bei Volkswagen bin, habe ich mit unheimlich vielen Menschen zusammengearbeitet. So kann ich heute auf ein breites Netzwerk im Unternehmen zurückgreifen. Ferner kenne ich dadurch, dass ich in vielen Positionen gearbeitet habe – vom Sachbearbeiter hoch bis zu meiner heutigen Funktion – extrem viele Unternehmensprozesse und finde mich dadurch in den meisten Problemsituationen gut zurecht.

»Wir hatten in dem Jahr einen kalten Spätsommer und ich war heilfroh, endlich im Warmen arbeiten zu dürfen.«

Sie sprechen Ihre heutige Funktion an. Was war Ihr erster Gedanke, als Markenchef Herbert Diess Sie mit dem Plan konfrontierte, Ihnen das neue Vorstandsressort E-Mobilität anzuvertrauen?

Mir war sofort klar, dass das die größte und spannendste Herausforderung meines Lebens wird. In meinem neuen Ressort bündeln wir ja die Verantwortung für sämtliche Elektroaktivitäten. Damit schaffen wir die organisatorischen Voraussetzungen für die Elektro- offensive und geben dem wichtigsten Zukunftsthema der Marke Volkswagen auch auf Vorstandsebene höchste strategische Priorität. Ich freue mich, dass das Unternehmen mir die Verantwortung übertragen hat, diese wichtige Aufgabe zu lösen.

Ganz ehrlich: Welche Berührungspunkte hatten Sie vorher mit der Elektromobilität?

Die Elektromobilität hat mich bereits vor fünf, sechs Jahren, als ich in China gearbeitet habe, beschäftigt. Das war die Phase, als dort die ersten Elektrofahrzeuge auf den Markt kamen und auch Bestandteil der Regierungspolitik wurden. China war damals beim Thema Elektromobilität schon etwas weiter. Und ob Sie es glauben oder nicht: Auch in meiner Ausbildung bin ich schon mit Elektromobilität in Berührung gekommen. Es gab interne Fahrzeuge, die mit Elektroantrieben unterwegs waren, etwa einen T2-Pritschenwagen. Den habe ich als Auszubildender gewartet.

Bislang war das Thema Elektromobilität in der Baureihe G4 beheimatet. Verliert die Baureihe durch die Einführung des neuen Vorstandsressorts an Bedeutung?

Nein, ganz im Gegenteil. G4 ist und bleibt das Herzstück der Elektromobilität. Die Baureihe verantwortet weiterhin alle Fahrzeuge auf Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB). Mein Vorstandsressort sorgt dann gemeinsam mit G4 und Volkswagen Sachsen dafür, dass die Autos nun auch pünktlich in die Produktion kommen. Wenn man so will, fügen wir in meinem neuen Ressort beide Tau-Enden zusammen.
 

Die Marke investiert eine Milliarde Euro in den Standort Zwickau und baut diesen zum europäischen Mekka der Elektromobilität aus. Welche Vorteile hat diese Zentralisierung?

Wir erarbeiten uns dadurch wichtige finanzielle Vorteile, etwa durch niedrigere Investitionen und eine optimierte Lieferkette. Zudem konsolidieren wir das gesamte Wissen, um es anschließend in die Welt auszurollen. Und nicht zu vergessen: Mit der Milliardeninvestition sichern wir Arbeitsplätze in Zwickau.

Das werden die rund 7.900 Mitarbeiter gerne hören. Viele fragen sich allerdings, was der Umstieg auf die ­Elektromobilität für ihre Arbeit bedeutet.

Grundsätzlich haben Elektroautos auch vier Räder, vier Türen und ein Lenkrad. Aber natürlich werden sich viele Arbeitsabläufe ändern. Wir müssen die gesamte Montage auf einen wesentlich höheren Mechanisierungsgrad vorbereiten. Teile der Belegschaft in der Montage werden wir zu Experten für Hochvolttechnologie ausbilden. Andere Mitarbeiter werden in den Themen Vernetzung und Internetservices geschult, beides spielt bei der I.D. Familie eine große Rolle. Aber: Wir fangen ja bei Volkswagen Sachsen nicht ganz bei null an. In Dresden haben wir in der Produktion des e-Golf1 Erfahrungen mit der Elektromobilität gesammelt. Dieses Wissen gilt es nun in die I.D. Fertigung zu übertragen.

THOMAS ULBRICH (51)

ist gebürtiger Wolfsburger und stammt aus einer echten Volkswagen Familie. Sein Vater war 35 Jahre lang Werkzeugbauer im Werk Wolfsburg. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Kfz-Schlosser holte Ulbrich Junior zunächst seine Fachhochschulreife nach, ehe er in Hamburg Fahrzeugbau studierte. 1992 kehrte er zu Volkswagen zurück und arbeitete sich bis in den Markenvorstand hoch, wo er in den vergangenen vier Jahren den Bereich Produktion und Logistik verantwortete.

27 Anläufe in zwei Jahren

Im zweiten Teil des Interviews erklärt Thomas Ulbrich, was ihn an der Elektromobilität fasziniert, was es mit der Ch@llenge27 auf sich hat und welches Markenversprechen Volkswagen mit dem MEB einlöst.

Im Zusammenhang mit Zwickau fällt immer wieder der Begriff Ch@llenge27. Was müssen sich die Mitarbeiter darunter vorstellen?

In den ersten zwei Jahren nach SOP werden weltweit nicht weniger als 27 Fahrzeuge von vier Konzernmarken in drei Regionen auf MEB-Basis anlaufen. Der Startschuss fällt Ende 2019 in Zwickau mit dem I.D., anschließend startet der weltweite Rollout. Die Ch@llenge27 geht also über den Standort Zwickau hinaus.

Sie waren erst vorletzte Woche wieder einen ganzen Tag in Zwickau. Was steht da aktuell bei Ihren Besuchen auf dem Programm?

Das Programm ist voll mit vielen grundsätzlichen Themen, die wir gemeinsam mit dem Management und den Arbeitnehmervertretern des Standorts klären. Wir schauen uns alle Bereiche genau an, sei es Karosseriebau, Lackiererei, Montage oder Logistik. Ganz wichtig ist es, bereits in der Startphase alle Beteiligten auf dem Laufenden zu halten, was in den nächsten Monaten passieren wird.

Was ist die größte Herausforderung, wenn es darum geht, Zwickau zu einem reinen e-Werk umzubauen?

Die große Herausforderung besteht darin, das wir das Werk parallel zum Weiterbau konventioneller Fahrzeuge für die Fertigung der neuen Generation Elektrofahrzeuge umbauen. Schließlich werden wir in Zwickau noch bis Mitte dieses Jahres den Passat B8, bis ins nächste Jahr hinein den Golf und bis 2020 den Golf Variant produzieren. 2019 wird ein Jahr des Auslaufens und des Umbaus zugleich. Das müssen wir der Mannschaft frühzeitig und vernünftig erklären. Anläufe werden nicht während der Anlaufzeit gewonnen. Viel wichtiger ist, dass sie im Vorfeld richtig vorbereitet werden.

Mit dem Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), haben Sie neulich gesagt, löst Volkswagen ein Markenversprechen ein. Können Sie das bitte einmal konkretisieren?

Wir haben versprochen, dass wir eine Fahrzeuggeneration auf den Markt bringen, die vollelektrisch und gleichzeitig auch voll vernetzt ist. Dieses Versprechen haben wir der Marke selbst, unseren Kunden und der Gesellschaft gegeben. Und nicht zu vergessen: Auch den anderen Konzernmarken, die sich mit ihren Elektro-Fahrzeugen auf unseren Baukasten verlassen.

Die Begeisterung für Elektromobilität ist bei vielen Menschen noch nicht sonderlich ausgeprägt…

Bei mir schon. Elektrofahrzeuge sind faszinierend. Sie lassen nichts missen, was für uns in einem Fahrzeug wichtig ist. e-Autos bieten die gleiche Fahrdynamik, den gleichen Fahrspaß – und darüber hinaus jede Menge Services, die dem Kunden das Leben angenehmer und einfacher machen. Services, wie wir sie heute nur vom neuesten iPhone gewohnt sind.