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„Du hast nur einen Versuch“ 

Volkswagen Rennfahrer Romain Dumas spricht über die Herausforderung am Pikes Peak.

Romain Dumas

Le-Mans-Sieger Romain Dumas startet beim Pikes-Peak-Rennen 2018 mit einem rein elektrisch betriebenen Rennfahrzeug von Volkswagen. Wir sprachen mit dem Franzosen über die Faszination des berühmtesten Bergrennens der Welt, über Leistungssport in 4.000 Meter Höhe und die Chancen von Volkswagen am 24. Juni 2018.

Was macht die Faszination des Bergrennens am Pikes Peak aus?

Das Rennen ist weltweit einzigartig. Zunächst einmal ist die Landschaft atemberaubend. Dann ist da der Fakt, dass man in knapp 2.900 Meter Höhe startet, und 20 Kilometer später hat man 4.300 Meter erreicht. So hoch kommt man sonst nirgendwo mit einem Rennauto. In der Vergangenheit wurde das Rennen manchmal verkürzt, weil es auf dem Gipfel schneite. Ein Teil der Faszination macht sicher auch aus, dass du immer nur einen Versuch hast. Wenn du irgendein Problem hast, musst du ein Jahr auf die nächste Chance warten.

Welche Eigenschaften braucht man als Rennfahrer, um am Pikes Peak erfolgreich zu sein?

Man kann die Strecke mit der Nordschleife des Nürburgrings vergleichen. Viele schnelle Kurven, kaum eine Gerade zum Entspannen. Nur ist der Pikes Peak noch gefährlicher als die Nordschleife, weil es an vielen Stellen keine Leitplanken gibt. Du darfst also nie zu 100 Prozent ans Limit gehen. Ich würde sagen, man braucht als Fahrer die Präzision eines Rundstreckenpiloten kombiniert mit der Furchtlosigkeit und dem Improvisationstalent eines Rallyefahrers.

Welcher Teil der Strecke ist der Schlüssel zum Erfolg?

Die Strecke besteht aus drei völlig unterschiedlichen Abschnitten. Nach dem Start stehen noch Bäume am Straßenrand. Hier warten mittelschnelle Kurven, die mit etwa 150, 160 km/h genommen werden. Im mittleren Abschnitt kommen fast nur Kehren, die Geschwindigkeit dort ist relativ gering. Im letzten Abschnitt sieht es aus wie auf dem Mond. Nur Felsen, keine Bäume. Dadurch hat man keine Anhaltspunkte für den Streckenverlauf, viele Kurven sind nicht einsehbar. Gleichzeitig ist die Geschwindigkeit hoch. Dieser Streckenteil ist der schwierigste und flößt dem Fahrer den meisten Respekt ein. Um zu gewinnen, brauchst du ein Auto, das in allen drei Abschnitten gut funktioniert.

Wie bereitet man sich als Fahrer auf die Höhe von über 4.000 Metern vor?

Das Bergrennen am Pikes Peak ist meist ein, zwei Wochen nach dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Da bleibt mir keine Zeit, um zum Beispiel in einem Höhenzelt zu schlafen, wie ich es als Vorbereitung auf die Rallye Dakar getan habe. Das Problem am Pikes Peak ist auch weniger die Gipfelhöhe. Belastender für den Körper ist, dass du innerhalb von weniger als zehn Minuten von 2.900 auf 4.300 Meter fährst. Mein Gegenmittel ist Sauerstoff, den ich mit ins Rennauto nehme.

Strecke

Länge: 19,9 km
Streckenbelag: 100% Asphalt
Anzahl Kurven: 156
Höhe Startpunkt: 2.862 m
Höhe Ziel: 4.302 m
durchschnittliche Steigung: 7%

»Bei Volkswagen arbeitet eine sehr professionelle Mannschaft. Sie wird sicherlich auch in einem komplett neuen Umfeld wie den USA gut zurecht kommen.«

Romain Dumas

Sie haben jahrelange Erfahrung mit Rennfahrzeugen mit Hybrid-Antrieb. Wie groß ist der Unterschied zum rein elektrisch betriebenen Rennfahrzeug von Volkswagen?

Ich muss meinen Fahrstil anpassen. Im Hybrid-Renner, den ich zum Beispiel in Le Mans gefahren habe, musste ich mir die elektrische Energie einteilen. Das ist beim rein elektrisch betriebenen Rennfahrzeug von Volkswagen nicht nötig.

Auf was muss sich das Team von Volkswagen Motorsport beim Pikes-Peak-Bergrennen gefasst machen?

Bei Volkswagen arbeitet eine sehr professionelle Mannschaft. Sie wird sicherlich auch in einem komplett neuen Umfeld wie den USA gut zurechtkommen. Die Teammitglieder müssen wissen, dass man zwischen vier und fünf Uhr morgens zur Strecke fährt, weil man später im Zuschauerverkehr steckenbleibt. Auch gibt es am Pikes Peak feste Boxenanlagen. Im Fahrerlager auf 2.900 Meter Höhe kann es empfindlich kalt werden. Das Rennen ist also auch für die Techniker eine erhebliche körperliche Belastung.

Was erwarten Sie vom ersten Start von Volkswagen mit einem rein elektrisch betriebenen Rennfahrzeug?
Das ist ganz schwer vorherzusagen. Es geht ja nicht nur darum, ein schnelles Fahrzeug zu entwickeln. Das steht bei einem Team wie Volkswagen Motorsport außer Frage. Aber das Bergrennen am Pikes Peak ist ähnlich wie das 24-Stunden-Rennen in Le Mans: Du hast nur einen Versuch. Es ist nicht wie in der Rallye-Weltmeisterschaft oder der Formel 1, wo du dich nach einem verkorksten Rennen auf das nächste konzentrierst. Am Pikes Peak darfst du keine Probleme haben. Deswegen ist unser erstes Ziel, die Fahrzeugkategorie der Elektro-Prototypen zu gewinnen. Das wäre für den ersten Versuch bereits ein sehr gutes Ergebnis. Ob es zu einer neuen Bestzeit in der Kategorie reicht, hängt auch vom Wetter ab.