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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Strategie

Einmal ist keinmal

Die Produktion und Logistik nutzt immer mehr Anlagen und Anlagenteile länger und spart dadurch Geld. Ein Beispiel aus Emden zeigt, wie das bei gleichbleibender Qualität gelingt.

Ein Emder Mitarbeiter baut einen Transportbehälter um, damit in diesen nun die Teile des Arteon passen.

Wie kann die Produktion und Logistik dazu beitragen, dass ein neues Modell gebaut wird, ohne vorher übermäßig viel in neue Anlagen oder Betriebsmittel zu investieren? Im Handlungsfeld Investitions-­Optimum der Fachbereichsstrategie TRANSFORM.FACTORY+ sind ­Experten dieser Frage auch am Beispiel des Arteon nachgegangen. Das Werk Emden hat vor dem Anlauf alle Investitionen für das Flaggschiff der Marke auf den Prüfstand gestellt. So sparte es 37 Prozent der ursprünglich geplanten Summe. Ein Puzzleteil zum Erfolg: vorhandene Anlagen und Anlagenteile, zum Beispiel Roboter, weiter- beziehungsweise wiederzuverwenden.

Außerdem nutzen die Mitarbeiter das Grundgerüst des Fügemeisterbocks vom CC weiter. Fügemeisterbock? Dabei handelt es sich um ein Gestell, in das man Karosserieteile spannt, um zu prüfen, ob diese wie vorgesehen passen. Aber auch kleinere Einsparungen spielten eine Rolle. Mitarbeiter haben zum Beispiel exakt 826 Behälter zum Transport von Teilen umgebaut, damit in diese nun die Teile des Arteon passen.

Damit nicht genug: Der Standort verwendet zum Beispiel in dem Bereich, in dem Scheiben eingeklebt werden, eine Doppelfasspumpe weiter. Zur Erklärung: In den Fässern dieser Pumpe befindet sich der Klebstoff, mit dem Roboter die Seitenscheiben befestigen. Der Vorteil von Doppelfasspumpen: Sie ermöglichen den Austausch von Fässern, ohne dass die Produk­tion unterbrochen werden muss. ­Sobald das eine Fass leer ist, wechselt die Pumpe automatisch zum zweiten, noch vollen.

Investitions-Optimum

Die Produktion und Logistik ­gestaltet Fertigungs- und Informationstechnologien modular, ­regionsspezifisch und mehrfach nutzbar. Dabei wird das Ziel an­gepeilt, die Investitionsquote im Fahrzeugbau im Jahr 2025 auf ­unter 2,5 Prozent zu senken.

„Durch das Weiterverwenden von Betriebsmitteln können wir Investitionen vermeiden. Diesen Gedanken wollen wir fest in der Mannschaft verankern und bei jeder Investition ganz selbstverständlich Vorhandenes in unserer Planung berücksichtigen“, sagt Thorsten Lüpkes, Leiter der Produktionsplanung in Emden. Dazu gibt es an dem Standort an der Nordsee Workshops über alle Hierarchien hinweg.

Außerdem hinterfragen die Mitarbeiter Standards und entfeinern diese, wie es in der Fachsprache heißt. Ein Ergebnis beim ­Arteon: An der Stelle im Karosseriebau, an der die Längsträger des Fahrzeugs ge­puffert werden, entfällt eine Kontrolle, da zuvor ohnehin schon eine Prüfung stattfindet. „Wir erreichen genügend Prozess­­sicherheit mit der einfachen Überwachung“, sagt Lüpkes und betont: „Man sollte vorgegebene Standards immer hinterfragen. Es gilt, Kosten und Nutzen übereinanderzulegen und abzuwägen, welche Investitionen wirklich nötig sind.“