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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Innovationen

Wie der Golf zum Kurkuma kam

inside hat den Farbdesignerinnen Astrid Göring und Susanne Gerken über die Schulter geschaut.

Susanne Gerken (links) und Astrid Göring mit einigen Farbmustern.

„Auf so ein Gelb haben wir gewartet!“ Vorsichtig schiebt Astrid Göring ein Schälchen mit dem Gewürz Kurkuma beiseite, um Platz zu machen für das sogenannte Moodboard. Darauf sind verschiedene Gelbtöne arrangiert. „Wir gehen damit zum Lack­lieferanten und erklären ihm, wie der Farbton genau aussehen soll.“ So ist auch die Trendfarbe Kurkuma für den neuen Golf entwickelt worden. Die gebürtige Hamburgerin mit den leuchtend roten Haaren erklärt: „So ein Gelb wie Kurkuma wäre vor zwölf Jahren noch gar nicht möglich gewesen, da die Pigmentwelt noch nicht so weit war.“ –„Jetzt haben wir es endlich“, ergänzt begeistert Görings Kollegin Susanne Gerken, auch vom Color-&-Trim- Team. Hier arbeiten die Designer in Teams für die einzelnen Modelle. Innen wie außen ge­stalten sie die Flächen mit Farben und Mate­rialien wie Leder oder Stoff.

Neue Farben finden sich in der Regel zunächst in der Mode, dann auf Möbeln und später auf Fahrzeugen. „Diese Veränderungen sehen auch Kunden, und ihr Geschmack verändert sich mit“, sagt Gerken. Um den richtigen Ton zu treffen, vergehen vom ersten Entwurf bis zum fertigen Lack zwei bis drei Jahre. Daher müssen die Designerinnen der Zeit immer einen Schritt voraus sein.

Manchmal verblüffen sie mit einer Farbe sogar die eigenen Kollegen. Astrid Göring überraschte mit Kurkuma. Bei der Entwicklung einer neuen Nuancierung schauen Farbdesigner zunächst auf die bestehende Farbpalette. „Da fehlte Gelb. Ich wollte gern eine warme, auffällige Farbe. Sie sollte brillant sein. Dann sah ich die Farbe am Probestück. Das sieht gewürzig aus, dachte ich, nicht so Curry. Ich fand, Kurkuma als Farbbezeichnung passt gut. Diese Farbe hatte man intern allerdings nicht erwartet. Da war ein bisschen Überzeugungsarbeit notwendig.“

Farben für die Welt

Susanne Gerken und Astrid Göring designen – mit Ausnahme von Brasilien – Farben für alle internationalen Märkte. Jedes Land hat farbspezifische Präferenzen und Einschränkungen. Eine Farbe kann beispielsweise in den USA gut funktionieren – auf dem europäischen Markt wird sie aber nicht umgesetzt, da dort andere Farbtöne favorisiert werden. Verschiedene Kulturen haben Einfluss auf die Farbpaletten. Manche Farben sind wegen Traditionen, Religion oder gesellschaftlichen Bedeutungen positiv oder negativ belegt. Aus diesem Grund fragen die Farbdesignerinnen aus Wolfsburg immer in den jeweiligen Ländern an, ob die Farbe dort erwünscht, toleriert, verboten oder gar verehrt wird. Bedenken müssen die Farb­­desi­gnerinnen zudem, dass Sonnen­einstrahlung bzw. Licht die Farben von Land zu Land unterschiedlich wirken lässt. So werden Farben je nach Region unterschiedlich strahlend wahrgenommen.

Lack ist nicht gleich Lack

Die Marke Volkswagen hat bis zu 80 unterschiedliche Lacke im Angebot. Und Lack ist nicht gleich Lack. Es gibt ihn in Uni oder mit Metallic- oder Perlmutteffekt. Darunter sind Klassiker wie Tornadorot, Pure White oder Oryxweiß, die teuerste Farbe im gesamten Sortiment. Jährlich entwickeln die Volkswagen Farbdesigner neue Trendfarben, die die bestehenden Farben ablösen. Neben Kurkuma heißen die aktuellen Trendsetter Atlantic Blue oder Bottle Green (im Bild rechts der Jetta). Die Farbe Weiß steht bei Kunden seit Jahren hoch im Kurs. „Wir wussten zwar, dass es ein Super-Trend ist, aber dass es sich so lange in allen verschiedenen Technologien hält und ein echter Silberersatz wird, das hat uns schon überrascht“, sagt Designerin Susanne Gerken.

Von Flächen und Farben

Die Mitarbeiter der Color-&-Trim-Abteilung gestalten die Flächen, die sie von den Interieur- und Exterieur-Designern bekommen, mit Materialien wie Leder oder Stoff. Und sie entwickeln die Farbkonzepte für Karosserien und Felgen. Kurzum: Das Team belegt alle Flächen, die man innen und außen sehen und anfassen kann, mit Materialien und Farben.

Der Lack hält

Der Lack muss hohe Beanspruchungen aushalten, Niederschlägen, UV-Strahlen, Hitze, Kälte und Straßenschotter trotzen. Außerdem muss er auf Blech wie auf Kunststoff funktionieren. Die Lackierung erfolgt als zweiter Schritt in der Fertigung, gleich nach dem Karosseriebau. Lackiert wird bei Volkswagen auf einer mehrere Kilometer langen Lackstraße. Roboter bringen Schicht für Schicht den Lack auf. Erst wenn die verschiedenen Schichten nacheinander unter speziellen Bedingungen aufgetragen wurden, gewinnt der Lack seine Qualitäten. Alle Schichten zusammen messen gerade mal einen Zehntelmillimeter – das entspricht einem menschlichen Haar.

Die Farbe der Zukunft

Grüntöne – von Moosgrün über Flaschengrün bis Viperngrün – sehen Susanne Gerken und Astrid Göring als neue Trendfarben. „Grün war für Volkswagen nie eine wichtige Farbe. Das hat sich geändert. Alle sind offener geworden, bei Volkswagen und in der Gesellschaft. Farben stigmatisieren nicht mehr“, prognostiziert Gerken der ehemals als Jägergrün verspotteten Farbe eine rosige Zukunft.

Mehr Vielfalt

Insgesamt tauchen heute mehr Nischenfarben in den Paletten auf. Es ist gesellschaftlich mehr möglich, u. a. Pink für ein amerikanisches Sondermodell beim Beetle. Das liegt am Wunsch der Kunden, sich zu individua­lisieren. Dazu gehören auch farbige Dächer oder Spiegel­kappen und bunte Räder. Gesellschaftliche Trends oder große Sport- und Medienereignisse können Einfluss auf die Farbauswahl haben. Der Durchbruch von schneeweißen Apple-Geräten „färbte“ beispielsweise auf viele Produkte, Architektur und Lifestyle ab. Auch die wirtschaftliche Situation habe Einfluss, sagt Farbdesignerin Astrid Göring. „In schlechten Zeiten werden die Kunden mutiger, haben Lust auf Veränderung und Positivität und kaufen mehr bunte Autos. In guten Zeiten werden die Menschen dagegen vorsichtiger.“

Susanne Gerken und Astrid Göring haben für inside eine Auswahl an aktuellen Trendfarben interpretiert:

Tourmaline Blue Metallic LP5Y

Petrol hat Würde! Seine Ausstrahlung ist immer intensiv, kraftvoll, tiefgründig. Immer ein eleganter Blickfang.

Crimson Red Metallic LD3Y

Je dunkler ein Rot, desto mehr steht es für Reife. Das Rot mit dem Tropfen Schwarz wird mit Lebenskraft und ruhiger Sinnlichkeit verbunden.

Habanero Orange Metallic LB2Y

Die Farbe ist ein Mix aus Licht und Wärme, ist gesellig, fördert kreatives Denken und vermittelt Mut und Hoffnung.

Bottle Green Metallic LR5C

Grün stimmt positiv, ist Hoffnung, ist die neutrale Farbe zwischen warm und kühl und steht für Natur und Wachstum.

Nicht jede Farbe passt

Dem up! und Beetle stehen Unifarben ohne Effekte. Der Farbton Denim Blue unter­stützt die Formgebung des Beetle (Foto). Für die Fullsize-Modelle von Susanne Gerken würde diese Farbe dagegen nicht in Frage kommen. Ein Hellblau würde beim Touareg die Form verschlucken. „Das sähe dann aus wie ein fahrender Legostein“, sagt Gerken lachend.

Jeder, wie er will

Mit der großen Material- und Farbvielfalt trägt Volkswagen dem Individualisierungstrend Rechnung. Neben der Wohnung und dem Arbeitsplatz wird das Auto selbst zum Lebensraum, zum sogenannten Third Place. Und der soll, genau wie die Wohnung, vom Kunden individuell gestaltet werden. Dabei erstreckt sich das Farbdesign nicht mehr allein auf die Karosserie. Beim up! (Foto) kann der Kunde beispielsweise aus mehreren Kombinationen wählen und die Farben von Karosserie, Außenspiegeln, Rädern und Dach individuell gestalten.