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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Digitalisierung

Funk funktioniert

RFID-Funkchips helfen in der Technischen Entwicklung beim Aufbau von Prototypen. Mit dem Projekt „Gläserner Prototyp“ ist Volkswagen Vorreiter für die ganze Autoindustrie.

RFID-Chips

RFID ist eine Funktech­nologie und ermöglicht das Lesen und Speichern von Daten ohne Berührung oder Sichtkontakt. Die Chips sind in der Regel nicht größer als eine 1-Cent-Münze.

1. Elektronischer Lebenslauf

Während der Entwicklung eines neuen Autos braucht es regelmäßig neue Bauteile für Proto­typen. Weil diese oft und schnell weiterent­wickelt werden, ist es umso wichtiger, jederzeit ihren Versionsstand zu kennen, damit bei der Erprobung nichts schiefgeht. Rund 280 Lieferanten bestücken ihre Teile deshalb mit RFID-Chips. Die Chips enthalten die wichtigsten Informationen wie Teile-, Lieferanten- und Seriennummer. Mit diesen Daten entsteht eine Art digitaler Lebenslauf. Noch bevor der Lieferant die Teile auf Reisen schickt, bekommt Volkswagen die digitalen Informationen mitgeteilt und kann seine Eingangs­logistik auf die Lieferung vorbereiten.

A. Ankunft

Bei der Ankunft werden die Proto­typenteile durch eines der zehn RFID-Tore in der Tech­nischen Entwicklung gefahren. Sie lesen die Funkchips aus und verbuchen die Teile auto­matisch im Lager.

B. Ausfahrt

Verlässt der Prototyp die Montagehalle des Versuchsbaus, wird er vom RFID-Tor erneut durchleuchtet. Auf Knopfdruck ist nun klar, welche Teile unter der Haube stecken.

2. 150 Bauteile mit RFID

Mehrere Tausend Teile braucht es, um ­einen Prototypen zu bauen. Nur 150 bekommen einen RFID-Chip, weil sie sicherheits-, umwelt- oder erprobungsrelevant sind. Für die anderen Komponenten lohnt sich der Aufwand nicht, auch wenn die Chips nur wenige Cent kosten. Über die Jahre haben die Experten aus der Technischen Entwicklung eine Vielzahl an Prototypen mit der Funktechnik ausgestattet.

3. Voller Erfolg

Der „Gläserne Prototyp“ ist eine Erfolgsgeschichte. Er wurde 2011 vom Vorseriencenter der Marke ­Volkswagen zusammen mit der Gesamtfahrzeug­entwicklung ins Leben gerufen. Auch die Konzernmarken Audi und Porsche sind beteiligt. Heute gilt der „Gläserne Prototyp“ als das größte unternehmensübergreifende RFID-Projekt in der Auto­industrie. Alle Hard- und Software-Standards wurden gemeinsam mit den Lieferanten entwickelt und sind im deutschen Verband der Automobilindustrie verankert. Damit gelten sie für alle Hersteller. Derzeit ­untersucht Volkswagen, wie sich RFID-Chips nahtlos im gesamten Unternehmen nutzen lassen. In der Produktion werden sie bereits eingesetzt, unter anderem im Karosserie-Bau.

„Die RFID-Technik ist ein Glücksfall“

150 Teile in Prototypen sind mit RFID-Chips beklebt. Dazu gehört auch die Motor­verkabelung. Matthias Süßenbach aus der Bordnetz-Entwicklung erklärt, wie ihm RFID die Arbeit daran erleichtert.

„Jede Motorverkablung hat ein Etikett als Beschriftung. Die musste ich früher händisch abschreiben und in eine Datenbank eintragen. Viele Beschriftungen waren unleserlich. All das hat Zeit und Mühe gekostet. Die Einführung der RFID-Chips war daher für uns ein Glücksfall. Seit drei Jahren arbeite ich nun mit den Kollegen aus dem Vor­serien­center Wolfsburg zusammen und beteilige mich am Projekt „Gläserner Prototyp“. Auf der Motorverkabelung sitzt nun ein RFID-Funkchip, der automatisch ausgelesen werden kann. Mir spart das eine Menge Zeit. Und ergonomischer ist es auch, weil ich nicht mehr in Transportboxen steigen und Etiketten suchen muss. Dazu kommt: Wenn Kollegen auf Er­probungsfahrt an­rufen und Fehler in der Motorverkabelung melden, kann ich jetzt mit einem Mausklick sehen, um welche Teile es geht, die Lieferanten kontaktieren und gemeinsam eine Lösung er­arbeiten. So sind die Fahrzeuge schnell wieder auf der Straße.“

»Mit den RFID-Chips spare ich viel Zeit.«

Matthias Süßenbach