inside
Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Unternehmen

Der neue WLTP-Test – die Herausforderungen

Ab September 2018 gilt: Jeder neue Volkswagen kann nur mit den Abgas- und Verbrauchswerten zugelassen werden, die nach dem neuen, dann in ganz Europa gültigen WLTP-Messverfahren ermittelt werden.

Diese gesetzliche Neuregelung bringt viele Veränderungen mit sich – von Messungen in der Technischen Entwicklung über Umstellungen in der Fertigung und bei IT-Systemen bis hin zur Anpassung der Kommunikation des Vertriebs mit dem Kunden. inside hat die wichtigsten Informationen zum neuen WLTP-Test und zu seinen Auswirkungen für die Mitarbeiter gesammelt und erklärt, wie die Tests auf den Rollenprüfständen und auf den Straßen rund um Wolfsburg gefahren werden.

Auf Prüfstand und Straße – so testen wir unsere neuen Modelle

1

Ein Arteon wird auf einen Rollenprüfstand in Wolfsburg gestellt. Vor Beginn des neuen, 30-minütigen WLTP-Fahrzyklus wird das Messfahrzeug eingerollt und gesichert. Im Moment läuft der Testbetrieb in Halle 79 in der Technischen Entwicklung auf Hochtouren – in drei Schichten auf 21 Prüfständen fast rund um die Uhr.

2

Der WLTP-Test läuft. Die Testfahrerin Celine Liers folgt exakt der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrkurve mit Phasen der Beschleunigung, der Verzögerung und des Stillstands. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den etwa 23 Kilometern liegt bei 47 km/h. 
Bei der Messung wird die tatsächlich verbaute Sonder- und Zusatzausstattung berücksichtigt – bei jedem Modell. Die Vielfalt der Motor-Getriebe-Varianten ist zum Beispiel beim Golf extrem hoch. Für die nächste Generation bedeutet diese Vielfalt einen besonders hohen Messaufwand.

3

Sarah Sabine Fischer bedient die Prüfstandtechnik und überwacht am Bildschirm, ob die Systeme richtig laufen. Die Modelle werden nach den Zyklusphasen Low, Medium, High und Extra High gefahren. In Extra High etwa fährt das Auto gut 7,7 Kilometer in 323 Sekunden. Unterwegs beschleunigt die Testfahrerin in der Spitze sogar auf 131,3 km/h. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in dieser Klasse bei 94 km/h.

4

Ortswechsel: Im RDE-Testzentrum in Fallersleben gibt es zehn Prüfstände für mobile Abgasmessungen, die an die WLTP-Messung gekoppelt sind. „RDE“ heißt diese Messung („Real Driving Emission“, dt.: „Reales Abgasemissionsverhalten“). Die Autos werden beim RDE über 90 bis 120 Minuten auf der Straße getestet. Mit einem Streckenmix aus Innenstadt-, Überland- und Autobahnfahrt. Knapp 20 Mitarbeiter führen diese Abgasmessungen durch. Adrian Barth (vorn) und Björn Buttgereit kalibrieren die Messgeräte mithilfe von Prüfgasflaschen. Dies muss vor und nach jedem Test auf der Straße erfolgen.

5

Der Arteon trägt beim RDE-Test auf der Straße am Heck eine gelbe Kiste mit dem mobilen Messsystem. Es erfasst den Ausstoß von CO₂, Kohlenmonoxid (CO), Stickoxiden (NOx) und Partikeln (Feinstaub) während des realen Fahrbetriebs. Das gut 50 Kilogramm schwere Gerät ist über eine spezielle Edelstahlverbindung mit dem Auspuff verbunden, um die Dichtigkeit des Messaufbaus zu gewährleisten.

WLTP – Fragen und Antworten

Das neue Testverfahren stellt auch Volkswagen vor große Herausforderungen –
inside bringt die wichtigsten Fakten auf einen Blick.

Was genau ist WLTP?

Für die Typzulassung von neuen Fahrzeugen schreibt der Gesetzgeber genormte Prüfverfahren vor. Gemessen werden dabei die Abgasemissionen, der Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen bzw. bei e-Fahrzeugen die Reichweite. Das erfolgte in der Europäischen Union bisher auf Basis des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Dieser wird jetzt vom WLTP abgelöst. Die Abkürzung WLTP steht für „Worldwide Harmonized Light Duty Vehicles Test Procedure“ (dt.: „weltweit harmonisiertes Testverfahren“). WLTP soll realitätsnähere CO2-Emissionen und Kraftstoffverbräuche für den Kunden ermitteln.

Wann tritt WLTP in Kraft?

Alle neu eingeführten Modelle und Motoren müssen bereits seit dem 1. September 2017 nach WLTP geprüft werden. Ab dem 1. September 2018 gilt das dann für alle neu zugelassenen Fahrzeuge, auch für die bereits bestehenden Modelle. Ab September ist die Zulassung von Neufahrzeugen ohne WLTP-Prüfung nicht mehr gestattet. Für leichte Nutzfahrzeuge sind die Umstellungsfristen jeweils um ein Jahr nach hinten verschoben.

Was unterscheidet das neue Testverfahren vom alten?

Der neue Testzyklus ist wesentlich länger und um ein Vielfaches aufwendiger. Es wird häufiger gebremst und beschleunigt, außerdem ist die Durchschnittsgeschwindigkeit höher. Auch Sonderausstattungen werden berücksichtigt, wenn sie sich auf Gewicht, Aerodynamik oder Rollwiderstand auswirken.

Wo liegen die Herausforderungen für den Volkswagen Konzern?

Insgesamt müssen für mehr als 260 Motor-Getriebe-Varianten neue Werte ermittelt werden. Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen Sonderausstattungen, die zu berücksichtigen sind. Allein bei einem Golf gibt es zwei Millionen Kombinationsmöglichkeiten. Die Herausforderung: Die Zeit ist extrem knapp. Ab Inkrafttreten des Gesetzes waren nur 13 Monate Zeit für die Vorbereitung auf WLTP.

Schafft das Unternehmen die Umstellung auf WLTP rechtzeitig?

Das wird voraussichtlich nicht bei allen Varianten gelingen. Aber alle beteiligten Bereiche arbeiten seit Monaten mit Hochdruck daran, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Allerdings spielen auch äußere Faktoren, wie die Kapazitäten von Genehmigungsbehörden, eine wichtige Rolle.

Kann es sein, dass bestimmte Modelle vorübergehend nicht verfügbar sind?

Ja, einige Motor-Getriebe-Varianten werden vorübergehend nicht erhältlich sein. Jetzt geht es darum, den Zeitraum und die Anzahl der vorübergehend betroffenen Varianten so klein wie möglich zu halten. Übrigens: Andere Autohersteller stehen vor derselben Herausforderung. Kaum jemand hat allerdings eine ähnlich große Modell- und Motorenvielfalt wie der Volkswagen Konzern.

Wird auch die Produktion betroffen sein?

Das kann nicht ausgeschlossen werden. Das Unternehmen setzt aber alles daran, Auswirkungen auf die Produktion zu verhindern oder sie möglichst gering zu halten. Um das zu erreichen, arbeiten alle Bereiche eng zusammen, damit zum Beispiel die Marke Volkswagen Pkw die Fahrweise in den Werken möglichst exakt ausrichten kann.

Welche Folgen hat die Umstellung auf WLTP für die Beschäftigten?

In der Produktion gibt es wegen der Umstellung auf WLTP unter Umständen vorübergehende Schwankungen. Dazu gibt es einen engen Austausch zwischen allen Bereichen. Wenn es Entscheidungen über die Fahrweise gibt, werden die Beschäftigten so früh wie möglich informiert. Aktuell wird wegen WLTP auf Sicht gefahren. 

»Mit dem neuen WLTP-Messverfahren ermitteln wir künftig für jede Motor-Getriebe-Variante einen eigenen Verbrauchswert und sind noch stärker als bisher gefordert, den Einfluss technischer Details auf den Kraftstoffverbrauch zu hinterfragen.«

Jan Døssing, Gesamtprojektleiter für die Einführung des WLTP in der Marke VW

So macht der WLTP den Unterschied – Beispiel: up! GTI1

Der kleine Renner ist das erste Volkswagen Modell, das nach WLTP neu zugelassen wurde.

WLTP: Kraftstoffverbrauch in l/100 km: 

5,7–5,6 (kombiniert)

CO₂-Emissionen in g/km:
 129–127 (kombiniert)
 

NEFZ: Kraftstoffverbrauch in l/100 km: 

4,8 (kombiniert)
CO₂-Emissionen in g/km:
 110 (kombiniert)

Hier einige Tipps:

  • Gewicht einsparen, also so wenig Ladung wie möglich mit an Bord haben.
  • Die Fahrten gut planen, um unnötige Wege zu vermeiden.
  • Langsamer fahren, beispielsweise statt 160 km/h lieber 130 km/h auf der Autobahn.
  • Wenn vorhanden, die Geschwindigkeitsregelanlage benutzen.
  • Das Fahrzeug ausrollen lassen statt zu bremsen (vorausschauend fahren) und sanft beschleunigen.

 

So verringern Sie 
Ihren eigenen CO₂-Ausstoß

VIER FRAGEN AN
 MARTIN ROSIK

Engpässe in der Produktion sind möglich

Der Personalleiter der Marke Volkswagen über die WLTP-Auswirkungen auf die Produktion und die Mitarbeiter.


Die Umstellung auf den WLTP stellt Volkswagen vor große Herausforderungen. Sogar vorübergehende Engpässe im Angebotsprogramm sind möglich. Was heißt das für die Produktion und die Mitarbeiter?
Es kann in der zweiten Jahreshälfte zu Produktionsengpässen kommen, denn ab September dürfen nur noch Autos mit WLTP-Zertifikat verkauft werden. Wir haben dann für einen vorübergehenden Zeitraum weniger Beschäftigung in der Produktion. Alle Beteiligten arbeiten aber mit Hochdruck daran, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Was wird konkret getan?
Ich möchte zunächst einmal die Leistung der Mitarbeiter an den Prüfständen hervorheben. Sie arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb, damit bis September so viele Autos wie möglich nach WLTP zertifiziert sind. Ihr Einsatz verdient volle Anerkennung. Aber das Prüfverfahren ist sehr aufwendig, deshalb wird trotz der Top-Leistung nicht jede Variante rechtzeitig zur Verfügung stehen. Einige Varianten, die bis dahin noch kein WLTP-Zertifikat haben, müssen dann vorübergehend aus dem Programm genommen werden. Für diese Fälle arbeiten alle Beteiligten intensiv an einem Produktionsprogramm, mit dem wir die Phase optimal meistern.

Ab wann gibt es Klarheit über das Produktionsprogramm?
Wir rechnen mit Auslastungslücken ab August. Voraussichtlich Ende Mai, Anfang Juni besprechen wir mit dem Betriebsrat die Umsetzung des Programms. Sobald es Entscheidungen gibt, informieren wir die Belegschaft. Wir alle arbeiten mit Hochdruck an dem Thema.

Werden einige Standorte in der Übergangsphase mehr und andere weniger betroffen sein?
Wir erwarten, dass es den größten Optimierungsbedarf am Standort Wolfsburg gibt. In Zwickau, wo die Umbau- und Umstellungsarbeiten auf den MEB anstehen, rechnen wir mit geringeren Auswirkungen. In Emden wiederum wird weniger das Thema „WLTP“ eine Rolle spielen als der Modellwechsel beim Passat. Und natürlich haben wir auch unsere Komponentenstandorte im Blick. Fest steht: Sobald Klarheit über den jeweiligen Optimierungsbedarf besteht und Entscheidungen zum Produktionsprogramm getroffen sind, werden wir die Beschäftigten umgehend informieren.