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»Müssen junge chinesische Mittelschicht begeistern«

Im Interview: Konzernchef Herbert Diess über die Bedeutung des Marktes im Reich der Mitte.

Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender Volkswagen AG

Herr Diess, Sie führen seit Mitte Januar das Konzernvorstandsressort China. Was sind in Ihren Augen dabei die größten Herausforderungen?
Auf keinem Markt der Welt schreitet die technologische Transformation in Richtung Elektrifizierung, Digitalisierung, Vernetzung und automatisiertes Fahren so schnell voran wie in China. Die chinesische
Regierung hat zudem einen klaren Entwicklungsplan, der bis ins Jahr 2025 reicht – auch für die Automobilindustrie. Das wird konsequent umgesetzt. So muss sich Volkswagen mit der entsprechenden Geschwindigkeit wandeln. Wir sind Marktführer. Wir haben den Anspruch, an der Spitze der Entwicklung zu stehen. Das erwarten auch die chinesischen Kunden von uns.

»Wir sind Marktführer. Wir haben den Anspruch, an der Spitze der Entwicklung zu stehen«

Wie ist Volkswagen aktuell in China aufgestellt, was müssen wir tun und was sind die nächsten Schritte?
Unsere chinesischen Joint-Venture-Gesellschaften sind innerhalb des Volkswagen Konzerns führend bei Produktivität, Qualität – insbesondere der Produktanläufe –, Effizienz und Profitabilität. Das ist der Maßstab. So sind auch unsere Partner wie die FAW Group oder SAIC mittlerweile auf Augenhöhe mit uns. Wenn wir nicht den Anschluss verlieren wollen, müssen wir eng mit unseren langjährigen Partnern zusammenarbeiten. Neue Kooperationen sind ebenso wichtig, denn in China gibt es wie in den USA die großen Internet-Riesen, die Standards setzen. Ebenso sind die aufstrebenden Start-ups der digitalen Branchen und die vielen Mobilitätsdienstleister äußerst agil und innovativ. Dieses Potenzial gilt es auch für Entwicklungen zu nutzen, die nicht nur für den chinesischen Markt interessant sein können, sondern auch für einen weltweiten Einsatz.

Was können wir von China lernen? Wie müssen wir unsere Strategie anpassen?
Es ist die Schnelligkeit und die Effizienz, mit denen technologische Neuerungen umgesetzt werden, die wir von vielen chinesischen Unternehmen lernen können. China ist mittlerweile ein wichtiges automobiles Kraftzentrum. Daran müssen wir unsere Strategie ausrichten. Daher habe ich im Konzernvorstand persönlich die Verantwortung für China übernommen. Stephan Wöllenstein leitet mit seiner reichen China-Erfahrung das operative Geschäft. Wir können nicht mehr länger in China nur Autos produzieren und verkaufen, die in Europa für Europa designt wurden. Es gilt, in China für China zu entwickeln und zu fertigen.

Welche weiteren strategischen Schritte ergeben sich?
Es ist mein Ziel, die vorhandenen Kooperationen zu intensivieren. Wir haben viel zu bieten – und zusammen können wir der stärkste Verbund in der Industrie sein. Das ist eine große Chance, die wir nutzen müssen. Zur selben Zeit müssen wir uns aber auch selbst als Konzern und in den Marken für mehr chinesische Manager öffnen. Von deren Expertise, Fleiß und unternehmerischem Handeln können wir profitieren. Professioneller und interkultureller Austausch ist für uns alle und für unser Geschäft von größtem Wert. Dafür müssen wir offen sein, wenn wir auch in Zukunft in China Erfolg haben wollen.

Mit der neuen Marke JETTA beschreitet Volkswagen diesen Weg jetzt konsequent. Wie ist die Idee zur neuen Marke geboren worden?
Der Jetta ist in China ein Sinnbild für erreichbare, individuelle Mobilität. Mit diesem Modell haben wir in den 1990er Jahren China auf vier Räder gestellt. Bis heute ist es mit mehr als 300.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr eines unserer Erfolgsmodelle auf dem weltweit größten Markt. Und dieser Markt entwickelt sich rasant weiter, insbesondere in den zahlreichen Millionenstädten jenseits der Metropolregionen wie Shanghai oder Peking, in denen die Fahrzeugdichte sehr gering ist. Hier haben vornehmlich junge Kunden und die Vielzahl von Erstkäufern ein hohes Mobilitätsbedürfnis. Darauf geben wir eine Antwort, ohne die Marke Volkswagen neu positionieren zu müssen. Mit der Einführung der Marke JETTA, deren Modellportfolio eine Limousine und zwei SUV umfasst, verknüpfen wir Tradition und Qualität mit attraktivem Design und moderner Technik. Damit hat JETTA das Potenzial, insbesondere für die junge chinesische Mittelschicht vom Erfolgsmodell zur Erfolgsmarke zu werden: Wir müssen sie für Volkswagen begeistern. Mit der Gründung der neuen Marke haben wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Mein Dank gilt dem gesamten JETTA Team, das mit viel Energie und Engagement dieses Projekt erfolgreich realisiert hat. Das war eine sehr gute Leistung, herzlichen Glückwunsch.