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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

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»Wir dürfen uns nicht ausruhen«

In Peking findet momentan die größte Automobilmesse Chinas statt. Stephan Wöllenstein, 
Markenchef von Volkswagen in China, erklärt, was Kunden auf dem boomenden Markt im Reich der Mitte von ihrem Auto erwarten und was es mit der Markeninitiative „Move Forward“ auf sich hat.


Herr Wöllenstein, Volkswagen ist seit Jahren Marktführer in China. Was ist der Grund für diese Erfolgsgeschichte?
Den Chinesen ist unsere Marke ebenso vertraut wie den Menschen in Deutschland. Volkswagen war eine der ersten ausländischen Automarken, die lokal in China produziert haben. Shanghai Volkswagen war unser erstes Joint Venture und begann 1985 mit dem Santana. Im Grunde nahmen der Santana und später der Jetta in China eine Rolle ein, die der Käfer in Deutschland spielte. Volkswagen war quasi immer schon da – von der Generation der Großeltern bis zu den Enkelkindern heute.

Das klingt solide. Dennoch haben Sie unter dem Namen „Move Forward“ ein neues Programm für die Marke Volkswagen aufgesetzt. Warum?
Die Marke Volkswagen steht in China auf einer sehr stabilen Basis. Aber wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Insbesondere müssen wir das Thema Innovation stärken. Wettbewerber sind dabei, zu uns aufzuschließen – gerade auch nationale Hersteller. Diese Aufgabe gehen wir jetzt mit unserer Markeninitiative „Move Forward“ an.

Worauf legen Sie dabei die Schwerpunkte?
Unser Plan basiert auf vier Säulen. Die erste ist die Erweiterung unseres Portfolios mit einer SUV-Offensive. Bis zum Jahr 2020 wollen wir über zwölf SUV-Modelle anbieten, die lokal in beiden Joint Ventures gefertigt wie auch importiert werden. Aktuell haben wir nur vier SUVs im Angebot: den importierten Tiguan und den lokal mit erweitertem Radstand gefertigten Tiguan L; den Touareg1 verkaufen wir in China als Importfahrzeug und im vergangenen Jahr haben wir den Teramont eingeführt – das chinesische Äquivalent zum amerikanischen Atlas. Der Marktanteil von SUVs liegt in China derzeit bei über 45 Prozent, er soll auf mehr als 50 Prozent steigen. Das sind in absoluten Zahlen zwölf bis 14 Millionen Fahrzeuge. Wir müssen also auch unser Angebot an die Bedeutung dieses starken Segments anpassen.

»In wohl keinem anderen Markt sind Menschen so dauerhaft online wie in China.«

Ein Joint Venture ist ein Tochterunternehmen, das von zwei Unternehmen gegründet und geführt wird. In China fertigt Volkswagen gemeinsam mit den Partnern von SAIC und FAW.

Was planen Sie mit der übrigen Produktpalette?
Bis 2020 erneuern wir parallel zu den geplanten zwölf SUVs alle etablierten Fahrzeuge. Wir sind traditionell stark bei den Limousinen. Deswegen haben wir auf der Motorshow „Auto China“ in Peking mit dem Lavida, dem CC und dem I. D. VIZZION drei neue Limousinen vorgestellt. Mit einer weiterentwickelten Formensprache interpretieren wir diese Fahrzeugkategorie neu. Damit komme ich zur zweiten Säule von „Move Forward“: Im Design gehen wir einen Schritt weiter in Richtung stärkerer Expressivität. Darauf legen Kunden in China sehr großen Wert. Darüber hinaus werden wir die Modelle schärfer voneinander abgrenzen und an einer deutlicheren Design-Hierarchie arbeiten.

Die dritte Säule Ihres Programms ist das Thema Innovation und Konnektivität. Was ist Ihr Plan?
In wohl keinem anderen Markt sind Menschen so dauerhaft online wie in China. Auch das Bezahlen mit dem Handy ist Standard, die Kommunikation über Messenger sowieso. In den großen Städten werden Bikesharing und Taxidienste über das Smartphone stark genutzt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an ein modernes Auto. Es muss voll verbunden sein. Ständig. Wenn unsere Fahrzeuge permanent online sind, werden zum Beispiel nicht nur Musik-Streaming-Dienste einfach eingebunden. Dann wird auch die Sprachbedienung einfacher. Denn mit „lernenden“ Algorithmen oder künstlicher Intelligenz werden wir das individuelle Nutzungsverhalten besser kennenlernen und in der Lage sein, unseren Kunden maßgeschneiderte Dienste anzubieten. Auch die Steuerung einzelner Funktionen wie der Sitzheizung sowie das Öffnen und Schließen mit dem Handy werden dann zur Normalität.

Welche Impulse kommen aus China im Bereich vernetzter Dienste?
Gerade bei der Konnektivität und unserem eigenen digitalen Ökosystem müssen wir auf das Erleben der Kunden eingehen. Das ist bei den Messenger-Diensten geprägt von den großen Anbietern Tencent und Gaming, beim E-Commerce von Alibaba. Ich glaube, wir sind insgesamt an einer Schwelle, an der man feststellen muss, dass China die Entwicklung insbesondere auch bei der Konnektivität und neuen Diensten ganz wesentlich vorantreibt. Das wird auch Einfluss auf die Angebote in Europa nehmen. Diese Trends müssen wir bei Volkswagen mit aufnehmen.

Welche Rolle wird E-Mobilität bei Volkswagen in China einnehmen?
Als vierte Säule von „Move Forward“ werden wir in den kommenden Jahren mit den ersten reinen Batterie- und Plug-in-Hybrid-Autos an den Start gehen. Auch bei den elektrisch angetriebenen Modellen beginnen wir mit zwei SUVs und legen dann mit modernen Limousinen nach. Bei den New Energy Vehicles planen wir, bis 2020 zehn Fahrzeuge im Markt zu haben. Mit „Move Forward“ werden wir nicht nur die richtigen Produkte und Dienste anbieten, sondern damit auch die Marke Volkswagen stärken und deren Innovationskraft beweisen. Am deutlichsten werden wir das dann ab 2020 zeigen, wenn die neuen Modelle auf Basis des MEB kommen.

ZUR PERSON

Stephan Wöllenstein (54) kam 1995 zu Volkswagen und übernahm seitdem die Verantwortung für zahlreiche Funktionen im internationalen Vertrieb und Produktmanagement. Seinen ersten 
Einsatz in China hatte er von 2004 bis 2006 als Leiter Vertrieb und Marketing 
bei SAIC Volkswagen. Vor seiner Ernennung zum CEO für die Marke Volkswagen und Executive Vice President der Volkswagen (China) Investment Co., Ltd. im Jahr 2016 war er als Managing Director der Marke Volkswagen und Executive Vice President für den Vertrieb der FAW-Volkswagen Sales Co., Ltd. tätig. Stephan Wöllenstein ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Der Automarkt in China – vier Fakten

24.000.000

Autos verkauften alle Automobilhersteller in China im vergangenen Jahr. Im Jahr 2005 lag die Zahl bei nur 3,3 Millionen.

400.000

SUVs hat die Marke im vergangenen Jahr in China verkauft.

45

Prozent beträgt der Anteil von SUV- Modellen am gesamten Automarkt.

100.000

Ladesäulenstehen bereits heute allein in der Hauptstadt Peking.