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Der Puppenschminker

Beim Crashtest im neuen Kompetenzzentrum Sicherheit 
in Wolfsburg spielen Dummys in Shorts und 
mit geschminkten Gesichtern eine wichtige Rolle. 
Björn Westphal bereitet die Versuchspuppen vor.


Leise klicken die Sicherheitsgurte ins Schloss im Hallengeschoss des Kompetenzzentrums Sicherheit in Wolfsburg. Ein Dummy sitzt in einem Fahrgestell hinter dem Lenkrad, angeschnallt. Am Körper trägt die hellbraune Crashtest-Puppe Shorts und ein knallgrünes T-Shirt. Ihr Gesicht leuchtet in verschiedenen Farben. Rund 142 Meter später trifft das Fahrgestell auf eine graue Betonwand, der Airbag entfaltet sich und das Gesicht des Dummys hinterlässt darauf bunte Spuren. Denn der Dummy trägt ein besonderes Make-up aus Kreide.

„So können wir genau sehen, wo das Gesicht der Puppe beim Aufprall auf den Airbag trifft“, erklärt Björn Westphal. Seit 15 Jahren arbeitet der gelernte Kommunikations-Elektroniker in der Fahrzeugsicherheit. Er kümmert sich dort um die Vorbereitung und Auswertung von Crashtests. Dazu gehört auch das Schminken der Versuchspuppen. Dass dies mal zu seinen Aufgaben zählen würde, hätte der 44-Jährige bei seinem Ausbildungsbeginn 1990 nie gedacht. Nach dem Abschluss seiner Technikerausbildung im Bereich Datenverarbeitungstechnik arbeitete er zunächst im Rohbau und Getriebeversuch, bevor er 2002 in die Fahrzeugsicherheit wechselte.

»So können wir genau sehen, wo das Gesicht der Puppe beim Aufprall auf den Airbag trifft.«

Der Versuchsschlitten ist einer Fahrgastzelle nachgebildet und simuliert die Kräfte, die bei einem echten Crash wirken. Der Clou: Kaputt geht beim Aufprall auf die Betonwand nichts. Der Schlitten kann dann für weitere Tests verwendet werden. Der Kopf des Dummys am Lenkrad ist gelb eingefärbt.

Mit feinem Pinsel malt er dem Dummy rote Augenbrauen, blaue Lippen und eine grüne Nase. Die Schienbeine be- 
streicht er mit Streifen in verschiedenen Farben. Willkürlich ist die Farbwahl nicht. „Für jede Farbe gibt es eine EU-Vorschrift, genau wie für das Einmessen 
der Dummys. Da ist alles bis ins kleinste Detail geregelt“, erklärt Westphal.

Für den bunten Abdruck auf dem Airbag sorgt eine Kreidefarbe, die immer frisch angemischt wird. Wie ein Maskenbildner am Theater hat Westphal einen kleinen Farbkasten in der Hand und trägt die Farbe auf. Das Ergebnis ist immer anders – je nachdem ob ein Europäer oder ein Amerikaner beim Schlittenversuch am Lenkrad sitzt. „Bei einem amerikanischen Versuch färben wir den ganzen Dummy-Kopf gelb ein, nicht nur Teile des Gesichts. Denn nicht überall in den USA herrscht Anschnallpflicht. Deshalb untersuchen wir dann auch, wo die Rückseite des Kopfes aufschlägt und wie sich der Kopf abrollt.“

Beim Schlittenversuch geht trotz der Wucht beim Aufprall nichts kaputt. Denn statt eines ganzen Autos fährt hier auf dem sogenannten Schlitten eine nachgebildete Fahrgastzelle, ohne Türen, Räder und Scheiben. Dieser Schlitten simuliert die Kräfte, die bei einem echten Crash wirken. Realitätsnah. Kurz vor dem Aufprall löst die Notbremsfunktion aus und verändert die Sitzposition von Fahrer wie Beifahrer. Dieser Moment ist besonders wichtig für Westphal und sein Team. Sie prüfen, ob bei den Rückhaltesystemen wie Gurten und Airbags alles in Ordnung ist oder etwas verbessert werden muss. Neben dem Schminken bringt Westphal daher auch die Messtechnik an, bereitet die Puppen vor und richtet die Kameras für die Dokumentation ein. Eine Kamera fährt sogar in der Fahrgastzelle mit. Alle anderen sind um den Aufprallort herum ausgerichtet. „Kein Versuch ist wie der andere“, sagt Westphal lächelnd. „Jeder bringt uns weiter voran, so bleibt es immer spannend.“

»Für jede Farbe gibt es eine EU-Vorschrift, genau wie für das Einmessen 
der Dummys. Da ist alles bis ins kleinste Detail geregelt.«