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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Strategie

» Wir müssen schleunigst einen Gang zulegen «

Stephan Wöllenstein leitet seit August 2016 die Pkw-Sparte der Marke Volkswagen in China. Im Interview mit inside spricht der 54 Jahre alte Familienvater über die geplante SUV-Offensive des Autobauers, die große Bedeutung von Elektromobilität und die rasante Entwicklung von Trends.

Stephan Wöllenstein am I.D. Crozz, dem dritten Mitglied der I.D. Familie.

Wie geht es der Marke Volkswagen in China?

Vergangenes Jahr haben sich fast drei Millionen chinesische Verbraucher entschieden, einen Volkswagen zu kaufen. Das bedeutet, wir sind mehr als doppelt so groß wie die Nummer 2 in diesem Markt. Das ist eine gute Leistung, die uns ge­meinsam mit unseren Joint Ventures Reinves­titionen in die Entwicklung vieler neuer Produkte für unsere Kunden ermöglicht. Wir werden weiter und verstärkt Forschung und Entwicklung sowohl in als auch für China betreiben, damit unsere Produkte exakt die Erwartungen der chinesischen Kunden erfüllen.

Wie wichtig ist China für Volkswagen?

Die Hälfte des weltweiten Umsatzes für die Marke Volkswagen kommt aus China. Dessen ungeachtet besteht hier noch immer ein enormes Wachstumspotenzial. Wir haben in diesem Markt einen guten Ruf und einen treuen Kundenstamm. Erreicht haben wir das, indem wir China vor rund 30 Jahren zu einer strategischen Priorität für die Marke gemacht haben.

Markeninitiative 5
Marktführerschaft ­in China sichern

Europa und China sind unsere zentralen Ertragssäulen. Als „Top of Volume“ sichern wir unsere Marktführerschaft und bauen sie profi­tabel aus. In China werden wir im Economy-Segment, damit ist das Niedrigpreis-Segment gemeint, neue Kunden für uns gewinnen. Zudem starten wir in Europa und China eine e-Mobilitäts- und Konnektivitäts-Offensive mit wett­bewerbsüberlegenen Produkten, Technologien und Services. 100 Prozent unserer Neufahrzeuge werden online vernetzt und Teil der digitalen Welt unserer Kunden.

» Unser größter Fehler wäre, uns auf unserem bisherigen Erfolg auszuruhen. «

Worin bestehen Ihre größten Heraus­forderungen?

Unser größter Fehler wäre, uns auf unserem bisherigen Erfolg in China auszu­ruhen. Wir müssen sogar schleunigst einen Gang zulegen, um in China wettbewerbsfähig zu bleiben. Der chinesische Markt entwickelt sich insbesondere in den Bereichen Digitalisierung und Konnektivität in einem rasanten Tempo. Das heißt, hier müssen Volkswagen und unsere Joint Ventures noch viel schneller werden. Die Chinesen leben mit ihren Smartphones, sie haben sie in jeden Teil ihres Lebens fest integriert. Spätestens bis 2019 werden – und müssen – alle Autos, die die Volkswagen Showrooms in China ver­lassen, komplett vernetzt sein. Zudem werden wir 2017 unser eigenes chinesisches digitales Ökosystem für Dienste einführen.

Welche Produkte werden in China nach­gefragt?

Chinesische Kunden lieben SUVs. Fast die Hälfte aller hier verkauften Autos sind heute SUVs. Wir haben eine massive Offensive in der Pipeline: Unser SUV­­Portfolio soll bis 2020 auf zehn Modelle anwachsen. Unsere beiden Joint Ventures, FAW-Volkswagen und SAIC Volkswagen, werden eine komplette SUV-Palette anbieten. Darüber hinaus entwickelt sich China mit schnellen Schritten zum Welt­zentrum in puncto e-Mobilität. In den kommenden drei Jahren werden wir deshalb eine Auswahl an „New ­Energy Vehicles“, wie wir sie nennen, einführen: Plug-In-Hybride und Elektro­fahrzeuge. Diese werden auf aktuellen Plattformen, hauptsächlich dem ­Modularen Querbaukasten, aufbauen. Ab 2020 werden in China Modelle über die Straßen rollen, die dann auf Basis der ­neuen Architektur für Elektroautos gebaut werden. Bis 2025 werden wir vo­r­aus­sicht­lich rund 60 Prozent unserer Elektroautos in China bauen und verkaufen, das entspricht dann circa 600.000 Fahrzeugen.

Aus Ihrer persönlichen Sicht: Was fasziniert Sie an China?

Was die Geschwindigkeit beim Setzen oder Übernehmen neuer Trends angeht, sucht China seinesgleichen. Wer ein Jahr aus China weg war, dürfte das Land hinterher in vielerlei Hinsicht kaum wiedererkennen. Nehmen wir zum Beispiel den aktuellen Trend des Fahrradverleihs. Auch die Menschen mag ich sehr: Sie sind offen, freundlich und humorvoll.

Volkswagen Group China

Vorstand:­ Jochem Heizmann

95.000
Beschäftigte

Modelle der Marke Volkswagen:­ Polo, Lavida, Santana, Passat, Touran, Tiguan, Lamando, Phideon, Teramont, Jetta, Bora, Sagitar, Golf, Magotan, CC, C-Trek

20 Standorte

3 Mio.
Fahrzeuge

hat die Marke ­Volkswagen 2016 in China ausgeliefert – so viele wie nie zuvor.