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der Marke Volkswagen

Baureihe

» Wir treffen Entscheidungen jetzt deutlich schneller «

Im April 2016 haben die Baureihen ihre Arbeit aufgenommen. Elmar-Marius Licharz, einer der vier Baureihen-Leiter, zieht im Interview mit inside Bilanz, was nach einem Jahr bereits gut läuft – und was noch besser werden muss.

Elmar-Marius Licharz leitete das Produktcontrolling bei Volkswagen, ehe er mit der Einführung der Baureihen betraut wurde.

Herr Licharz, Hand aufs Herz: Was war Ihr erster Gedanke, als Markenchef Herbert Diess Sie und Ihren Kollegen Klaus-Gerhard Wolpert im Herbst 2015 mit der Einführung der Baureihen-Struktur beauftragt hat?

Einer meiner ersten Gedanken war: Wie soll das funktionieren? Ich war skeptisch, dass eine Kulturrevolution in so einer kurzen Zeit zu schaffen sei.

Was meinen Sie mit Kulturrevolution?

Die Einführung der Baureihe ist ein großer Eingriff in die Art, wie wir Volkswagen steuern. In der Vergangenheit haben wir viele Konflikte bis in die Vorstandsgremien eskaliert. Nun suchen Fachbereiche und Baureihen gemeinsam nach Lösungen. Der Vorstand muss nicht über jede Chromleiste im letzten Winkel des Autos entscheiden.

Auf einer Skala von 1 bis 10 – wo steht die Baureihe nach einem Jahr?

Mit Blick darauf, wo wir irgendwann mal stehen wollen, würde ich uns aktuell eine 4 bis 5 geben. Es liegt noch ein weiter und steiniger Weg vor uns. Wenn man in diese Bewertung jedoch einbezieht, was wir in der Kürze der Zeit erreicht haben, würde ich uns eine 7 bis 8 geben. Ein Unternehmen dieser Größenordnung kann nicht innerhalb eines Jahres komplett umlernen.

Was läuft aus Ihrer Sicht schon gut?

Die Zusammenarbeit innerhalb der Bau­reihe funktioniert wirklich gut. Auch die Zusammenarbeit mit der TE ist transparenter und vertrauensvoller geworden. Große Fortschritte haben wir zudem bei der Geschwindigkeit von Entscheidungen gemacht. Bei mir in der Baureihe G3 beispielsweise werden Entscheidungsvorlagen 20 Prozent schneller abgearbeitet.

In welchen Bereichen ist denn noch Luft nach oben?

Es gibt Fachbereiche, in denen nach wie vor sehr hierarchisch entschieden wird. Das ist nicht kompatibel mit unserem Anspruch, schnelle unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Manchmal wundere ich mich, wie schwer es Kollegen fällt, eingetretene Pfade zu verlassen.

Andere Unternehmen haben für die Einführung der Baureihe Jahre gebraucht, bei Volkswagen ging es in wenigen Wochen.

Das Tempo war in der Tat sehr hoch. Aber: Je länger wir uns Zeit gelassen hätten, desto größer wäre die Gefahr gewesen, dass wir das ursprüngliche Konzept zer­redet hätten.

Zur Person

Elmar-Marius Licharz (46) ist seit 2005 bei Volkswagen. Zuvor war der Diplom-Wirtschaftsingenieur viele Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig.

Trotzdem: Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Ich würde die Mannschaften besser mitnehmen und mehr Begeisterung ent­fachen, auch wenn mir klar ist, dass wir im Hinblick auf die Dieselthematik hier eine schwere Zeit durchzustehen hatten.

Welches Feedback bekommen Sie von den Kollegen, die jetzt in der Baureihe arbeiten?

Auf der einen Seite haben alle das Gefühl, dass sich etwas in die richtige Richtung bewegt. Wir sind näher an den Produkten, treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam und gehen Probleme offen an. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Kollegen, die sich nicht wohl dabei fühlen, Themen nun eigenverantwortlich zu treiben.

» Entscheidungen werden in den Baureihen 20 Prozent schneller getroffen. «

Wie schwer ist es Ihnen selbst gefallen, Verantwortung auch mal abzugeben?

Ich habe früh gelernt, dass eine Führungsaufgabe nicht darin besteht, alles besser zu können als seine Mitarbeiter. In meiner Zeit bei der Bundeswehr habe ich einen Zug geführt, dessen Aufgabe die Instandhaltung von Radargeräten war. Ich hatte zu Beginn keinen blassen Schimmer, wie diese Geräte funktionieren, geschweige denn, wie sie zu reparieren sind. (lacht)