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Innovationen

»Wie der Umstieg vom Pferd aufs Auto«

Las Vegas und die CES kennt er gut: Johann Jungwirth (42) war Manager im Silicon Valley. Seit November gestaltet er nun als Chief Digital Officer die digitale Zukunft für Volkswagen. Im „inside“-Interview verrät Jungwirth, welche Pläne er hat.

Herr Jungwirth …

JJ, bitte. So bin ich das aus Amerika gewöhnt. Duzen und kein Dresscode sind mir lieber.

JJ, du bist jetzt gut zwei Monate bei Volkswagen. Dein Eindruck?

Ich bin beeindruckt vom Veränderungswillen und der Begeisterung hier. Was ich auch sehe: Wir haben noch einiges zu tun, besonders bei den Zukunftsthemen ­Digitalisierung, Elektrifizierung und Automatisierung.

»Ich freue mich wahnsinnig, diese Zukunft gemeinsam mit Euch allen wortwörtlich auf die Straße zu bringen.«

Johann Jungwirth, Chief Digital Officer

Du bist als Digitalisierungsexperte gekommen. Was können wir in ­Zukunft von dir ­erwarten?

Ich will autonomes Fahren voranbringen. Ich bin überzeugt, dass das eine ähnliche Revolution wird wie der Umstieg vom Pferd aufs Auto. Es schenkt den Menschen Zeit und macht Autofahren sicherer und müheloser. Damit können wir individuelle Mobilität für jeden ermöglichen, hoffentlich auch für Blinde und Menschen ohne Führerschein. Unsere Autos werden dann zu rollenden Wohnzimmern, Büros, Kinos und Konzertsälen. Ich will den Blick öffnen für neue Geschäfts­felder mit intelligenten Mobilitäts­lösungen.

Einige sagen, autonomes Fahren sei ­langweilig.

Mal angenommen, wir lassen uns von einem unserer Sportwagen autonom über die Rennstrecke fahren, am Limit und trotzdem sicher, auf der Ideallinie eines bekannten Rennfahrers – das wäre doch ein riesiger Spaß, oder?

Digital Native: Bei Apple war Jungwirth verantwortlich für Innovation in Technik und Design für Mac-Produkte, zudem war er in der Special Projects Group tätig. Davor arbeitete er unter anderem als CEO von Mercedes-Benz Research & Development in Amerika und leitete neben weiteren inter­nationalen Standorten auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum im kalifornischen Sunnyvale.

Ist Digitalisierung eine reine Auto-Angelegenheit?

Definitiv nicht! Wir müssen rein ins digitale Alltagsleben unserer Kunden. Mit einer Mobilitätsplattform zum Beispiel, die wir selber entwickeln. Der Kunde kann dann Fahrzeuge aus dem ganzen Konzern auf Knopfdruck erhalten. Frei nach dem Motto: „Morgen ist Hochzeit, da nehme ich einen Bentley. Übermorgen ist Wochenende, da lasse ich mich vom Porsche an den Strand fahren. Und für den Alltag habe ich meinen e-Golf.“ Ich bin übrigens überzeugt, dass Autobesitz weiter ein wichtiges Thema bleibt.

Apropos e-Golf: Du fährst einen. Wie gefällt er dir?

Ein super Auto! Ich habe ihn gleich am ersten Tag in Wolfsburg abgeholt. Übrigens war mein erstes Auto ein roter Golf I. Ein Klassiker.

Worauf ­konzentrieren wir uns in Zukunft als Autohersteller?

Der Kunde soll nicht über die Bedienung von Technologie nachdenken. Gutes Design ist einfach, intuitiv und ohne Handbuch. Was mir außerdem wichtig ist: ein Auto produzieren, mit Software betanken und jahrelang beim Kunden stehen lassen – das ist überholt. Wir brauchen ständig neue Upgrades, die wir per WLAN oder Mobilfunk in die Fahrzeuge liefern.

Wie stellst du dir den Volkswagen der Zukunft vor?

Wenn wir es richtig machen, haben wir spätestens in fünf Jahren vollautonom fahrende Autos, natürlich 100 % elektrisch. Das ist die Zukunft! Die Autos sind vernetzt über Mobilfunk neuester Genera­tion, immer aktuell per Software-Updates. Sie haben große Head-up-Displays mit Augmented Reality und rea­gieren auf natürliche Sprache. Ich bin sicher: Das bleibt keine Vision; als Team können wir das schaffen. Ich freue mich wahnsinnig, diese Zukunft gemeinsam mit euch allen wortwörtlich auf die Straße zu bringen.