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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

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Die mit Dummys Schlitten fährt

Seit 50 Jahren setzt Volkswagen beim Crash auf einen Schlitten auf Schienen. Ina Rathje richtet im Fahrsicherheitszentrum in Wolfsburg den Schlitten ein.


Ein Schlitten auf Schienen, 142 Meter Fahrt mit bis zu 100 km/h, dann Vollbremsung, die Sicherheitsgurte halten die Dummys, die Airbags lösen aus, das Auto kommt kurz vor der Wand zum Stillstand. Das war es. Nach 300 Millisekunden ist ein Crashtest vorbei. Der Aufwand für den Schlittenversuch ist hoch. „Der Aufbau der Karosse mit den Dummys dauert etwa einen halben Tag“, erklärt Ina Rathje. Seit mehr als sieben Jahren arbeitet die gebürtige Sächsin am Schlitten. Sie kennt die Handgriffe aus dem Effeff. 

»Wir können die Wirkungsweise moderner aktiver Sicherheitssysteme wie der Notbremse bei Schlitten­versuchen exakt darstellen.«

Gunnar Koether, Leiter Fahrzeugsicherheit

Bevor Ina Rathje und ihr Team Hand anlegen, haben die Mitarbeiter der Entwicklung bereits viele Daten der passiven Sicherheit berechnet und simuliert. Die passive Sicherheit hat zum Ziel, die Schwere von Verletzungen bei einem Unfall zu verringern. Wichtigste Mittel dazu sind der Sicherheitsgurt und der Airbag, aber auch Kindersitze, die Kopfstützen oder die Knautschzone. Der Schlittenversuch folgt also der Simulation. Denn er ist die Nagelprobe und liefert die harten Fakten. Bis zu 800 Crashtests fährt das Team auf dem Schlitten im Erdgeschoss des Fahrsicherheitszentrums in Wolfsburg im Jahr.

Ina Rathje und ihre wichtigsten Werkzeuge Akkuschrauber, Maulschlüssel und Drehmomentschlüssel, mit dem sie die Rohkarosse auf dem Schlitten verschraubt.

Kaum ein Tag, an dem Ina Rathje nicht auch mit den Dummys Schlitten fährt. Vor fast 30 Jahren hat die heute 47-Jährige mit einer Lehre zur Industriemechanikerin bei Volkswagen in Wolfsburg angefangen. Bald ist sie 20 Jahre in der Technischen Entwicklung, seit 2011 beim Schlittenversuch. Hier plant sie die Reihenfolge der Crashtests und die genauen Zeitkorridore für den Aufbau des Schlittens. Stück für Stück setzt sie dann den Versuchsträger auf dem Schlitten zusammen: Rohkarosse aufbauen und festschrauben, Sitze, Gurtstraffer und Schalttafel anbringen, Airbags montieren, Dummys einkleiden, mit dem Kran in den Versuchsträger hereinheben und anschnallen.

Während der Crash läuft, hat sich Ina Rathje bereits dem nächsten Schlittenversuch zugewandt. Wenn alles vorbei ist, baut sie ab. Der Clou beim Schlittentest: Da geht nichts kaputt, nichts wird zerstört. Denn der Schlitten hat vorn eine „lange Nase“. Das ist ein Bremskeil, der in einem kleinen Kanal in der Wand verschwindet und so den Schlitten bremst. Kein Einmalschlitten also, sondern ein Mehrfachschlitten, den Rathje und ihr Team leicht für den nächsten Crashtest wieder verwenden können.