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Innovationen

Der „Schutzengel“ fährt mit

„Guardian Angel“: Marius Spika und sein Team forschen am Fahrerlebnis der nächsten Generation.

Erforschen das Assistenzsystem „Guardian Angel“: Marius Spika (von links), Jan Sonnenberg und Julia Drüke.

Das Assistenzsystem der Zukunft befindet sich momentan noch dort, wo früher der Aschenbecher war. Eine Mini-Schaltbox in der Mittelkonsole, die ein halbes Dutzend Rechner steuert, das den Kofferraum eines Passat Variant¹ fast ausfüllt. Wie ein „anderes Ich“ soll dieses System künftig den Fahrer unterstützen – und eingreifen, wenn es nötig ist. „Guardian Angel“ heißt es (Deutsch: „Schutzengel“). Marius Spika arbeitet daran mit seinem Team in Wolfsburg seit gut zwei Jahren. Live-Demo auf dem Prüfgelände in Ehra-Lessien: Spika steuert den Test Passat auf enge Kurven zu. Hellgrün leuchtet das Symbol des Schutzengels unter der Tachonadel wie auch im Head-up-Display. Spika fährt umsichtig und regelgerecht. Der „Schutzengel“ greift nicht ein.

Das System warnt den Fahrer: „Achtung, Kurve!“

Ist Testpilot Spika aber zu schnell oder blickt statt auf die Fahrbahn aus dem Seitenfenster, meldet der „Schutzengel“: „Achtung, Kurve!“ Außerdem vibriert der Sitz leicht. Eine Eskalationskaskade läuft an, wenn der Fahrer nichts tut. Dann bremst der „Schutzengel“ sogar, auch wenn der Fahrer mit dem Fuß noch auf dem Gaspedal steht. Das Zeitfenster dafür ist eng. Wenn es brenzlig wird, muss der „Schutzengel“ schnell reagieren. Aber im richtigen Moment: „Er soll erst dann aktiv werden, wenn man ihn wirklich braucht“, erklärt der 39-jährige Ingenieur für Informa­tionssysteme.

Voraussetzung dafür ist, dass das Assistenzsystem den Fahrer genau kennt. Es muss lernen, wann er Gas gibt, vor einer Kurve bremst oder vor dem Überholen blinkt. „Man kann nicht alle Fahrer in einen Topf werfen“, fügt Spika ein. Für die Entwickler um ihn herum ist das eine gewaltige Aufgabe: Denn sie wollen ermitteln, wie einer fährt.

Dazu beobachten sie den Fahrer über Kameras und zeichnen sein Fahrverhalten auf. „Jedes Detail zählt, bis der ‚Schutzengel‘ das Fahrverhalten bewerten kann“, sagt Spika. Das erfordert künstliche Intelligenz (KI), die in dem großen, leistungsfähigen Rechner im Kofferraum des Passat steckt. „Deep Learning“ heißt die Methode. Während der Fahrt macht sich der Rechner ein Bild vom typischen wie vom aktuellen Fahrstil des Fahrers und berechnet, wie er sich in der jeweiligen Situation verhalten wird.

Zurück auf die Teststrecke: Als Spika schneller fährt als gewohnt und vor einer Kurve bei schlechter Sicht zu einem Überholmanöver ansetzt, warnt sein „Schutzengel“: „Achtung, Sichtweite reicht nicht.“ Dieser Rat beruht auch auf Massen von Daten aus der Navigation und aus den Steuergeräten an Bord. Diesen Daten-Pool verbindet das Spika-Team mit dem Fahrerprofil. In Echtzeit. Ziel: die Lage erkennen und im richtigen Moment die richtige Reaktion auslösen – beim Fahrer wie beim Auto.

Die Stunde des „Schutzengels“ wird schlagen, wenn hochautomatisiert fahrende Autos auf die Straße kommen. Denn er ist für ein individuelles, sicheres und komfortables Fahrerlebnis der nächsten Generation gedacht. Dann wird er im richtigen Moment den Rat geben, der auf den Fahrer und seinen Fahrstil zugeschnitten ist.

Spika, der die Projektleitung an Jan Sonnenberg übergeben hat, blickt zuversichtlich voraus: „Der ‚Schutzengel‘ wird ein zurück­haltender, freundlicher und durchsetzungsstarker Helfer sein, dem man vertrauen kann.

»Jedes Detail zählt, bis der „Schutzengel“ das Fahrverhalten bewerten kann«

Marius Spika, Ingenieur für Informa­tionssysteme

Der „Schutzengel“ passt auf: Wenn es brenzlig wird, kann das System reagieren und den Fahrer zum Beispiel zum Bremsen auffordern.