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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Strategie

„Den meisten ist bewusst, dass es auch um ihre Zukunft geht“

Große Fortschritte gibt es bei der Umsetzung des Zukunftspakts, seit dieser im November unterzeichnet wurde. In inside spricht Personalvorstand Karlheinz Blessing über den aktuellen Stand, die Herausforderungen und über den Wandel der Unternehmenskultur.

Personalvorstand Karlheinz Blessing sagt im Gespräch mit inside: „Die Mehrheit der Mitarbeiter sieht den Zukunftspakt positiv.“

Unternehmen und Betriebsrat haben im vergangenen Jahr hart um den Kurs gerungen, den Volkswagen auf dem Weg in die Zukunft einschlagen soll. Wie ist die Stimmung nach dem ersten halben Jahr mit dem Zukunftspakt?
Wir kommen mit der Umsetzung des Zukunftspakts gut voran. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Die Aufgaben bleiben groß, und es wird auch künftig immer wieder Punkte geben, über die Unternehmen und Betriebsrat intensiv diskutieren werden. Wichtig ist aber, dass wir nach kontroverser Debatte eine gemeinsame Lösung finden. Ich bin überzeugt, und eine Umfrage des Betriebsrats in Kassel bestätigt das: Die Mehrheit der Mitarbeiter sieht den Zukunftspakt positiv. Den meisten ist bewusst, dass es um die Zukunft von Volkswagen und damit ihre eigene geht. An den Standorten, die auf Produkte rund um den Verbrennungsmotor ausgerichtet sind, weiß man: Wir müssen jetzt handeln, damit es dort im Zeitalter der Elektro­mobilität immer noch Arbeit gibt. Das tun wir mit dem Zukunftspakt.

Im Zukunftspakt wurde vereinbart, dass bei der Marke Volkswagen bis 2020 einerseits 23.000 Arbeitsplätze entfallen und andererseits 9.000 Arbeitsplätze im Bereich der e-Mobilität und neuer Dienstleistungen entstehen sollen. Wie ist da der Stand der Dinge?
Die geplante Stellenreduzierung entlang der demografischen Kurve ist im Gang. Mittlerweile sind rund 7.500 der geplanten 9.300 Altersteilzeit-Verträge unterschrieben. Das zeigt, dass das Angebot gut angenommen wird. Es gilt übrigens ausdrücklich auch für das Management! Allerdings sollten sich Mitarbeiter der Jahrgänge 1955 bis 1960 sputen, wenn sie noch Altersteilzeit vereinbaren wollen. Wir werden das Angebot nur noch bis zum 31. Juli 2017 aufrechterhalten. Was die Zukunftsarbeitsplätze anbelangt, so kommen wir ebenfalls sehr gut voran. Wir werden demnächst eine Zwischenbilanz vorlegen.

Karlheinz Blessing­

ist seit Anfang 2016 Personalvorstand der Marke und des Konzerns. Bis Ende 2015 war der 60-Jährige Vorstandsvorsitzender der Dillinger Hüttenwerke und der Saarstahl. Studierter Volkswirt, der 1984 promovierte und anschließend bei der IG Metall und der SPD arbeitete.

» Die Mitarbeiter sollten sich sputen, wenn sie Altersteilzeit vereinbaren wollen. «

Je nach Standort muss auch die Zahl der Leiharbeiter teils erheblich reduziert werden. Wie ist da der aktuelle Stand?
Das tut mir echt weh, denn viele Leiharbeitnehmer zählen zu den Besten! Aber wir haben immer offen gesagt, dass wir die Verträge vieler Leiharbeitnehmer nicht verlän­gern und sie auch nicht in die Stammbelegschaft übernehmen können. Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert. Ausnahmen sind nur möglich, wenn sie betriebswirtschaftlich sinnvoll sind und Volkswagen dadurch leistungsfähiger wird. Insgesamt sind wir mit dem Abbau von Leiharbeitsstellen schon gut vorangekommen und werden ihn 2020 abgeschlossen haben.

Worin liegen die Herausforderungen beim Zukunftspakt?
Da gibt es zahlreiche Herausforderungen für alle Beteiligten. Ich nenne Ihnen ein Beispiel aus der Kunststofffertigung in Braunschweig: Einerseits müssen wir dort die Produktivität steigern, andererseits ist mit Blick auf die Elektromobilität schon heute absehbar, dass viele Mitarbeiter künftig eine neue Aufgabe übernehmen müssen. Es gilt also, einen Spagat zu meis­tern: einerseits Top-Leistung in der alten Aufgabe bringen, andererseits sich früh­zeitig auf Neues einstellen. Das ist eine Herausforderung für jeden Beschäftigten, aber auch für die Führungskräfte, die Personaler und die Betriebsräte.

Zu den neuen Wegen gehören auch neue Formen der Zusammenarbeit, zum Beispiel das agile Arbeiten. Welche Rolle werden solche Modelle künftig spielen?
Im Zeitalter der Digitalisierung werden die Entwicklungszyklen immer kürzer. Wir werden uns sequenzielles Arbeiten immer weniger leisten können. Es kostet zu viel Zeit und zu viel Geld. Deshalb wird agiles Arbeiten, bei dem viele Schritte parallel und eng aufeinander abgestimmt erfolgen, stark an Bedeutung gewinnen. In einigen Bereichen nutzen wir diese Methoden bereits, zum Beispiel in unseren Labs und in der IT-City. Und wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das gilt für die Ergebnisqualität ebenso wie für das Entwicklungstempo.

Das klingt wie ein Wundermittel. Arbeiten in Zukunft alle Bereiche auf diese Weise?
Wir prüfen, wie wir agile Methoden auch in den Kernbereichen anwenden können. Schlussendlich geht es um crossfunktionale Zusammenarbeit und intensive Kommunikation. Klar ist aber auch, dass sich das nicht überall umsetzen lässt. Vermutlich würde es sehr schwer werden, mit agilen Methoden Autos zu montieren. Aber in der Entwicklung beispielsweise sind solche Methoden durchaus nutzbar.

» Es gilt also, einen Spagat zu meis­tern: einerseits Top-Leistung in der alten Aufgabe bringen, andererseits sich früh­zeitig auf Neues einstellen «

Welche Veränderungen planen Sie noch?
Wir wollen mehr Praxisnähe bei der Auswahl angehender Führungskräfte. Deshalb führen wir ein neues Zugangsverfahren ein, das wir im Lauf des Jahres 2018 starten wollen. Wir stärken das Mehraugenprinzip im Auswahlprozess und schaffen das Assessmentcenter ab. Künftig sollen sich Nachwuchskräfte in einem Einstiegsjahr in einer realen Management-Aufgabe be­währen. Erst wenn die Kandidatin oder der Kandidat die ihm übertragene Führungsaufgabe erfolgreich gemeistert hat, folgt die Berufung ins Management.

Wer wählt die Nachwuchskräfte dafür aus?
Das wird auch künftig zu den Aufgaben von Vorgesetzten zählen. Allerdings können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für geeignet halten, künftig auch selbst als Nachwuchs-Führungskraft nominieren.