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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Mitarbeiter

Täuschend echt

In der Logistik im Werk Wolfsburg werden Mitarbeiter neuerdings nicht mehr im laufenden Schichtbetrieb, sondern in der virtuellen Welt geschult.

Auf dem Monitor im Hintergrund ist die virtuelle Welt zu sehen, in die Tobias Ruprecht eingetaucht ist.

Tobias Ruprecht setzt sich die Datenbrille auf den Kopf, nimmt zwei Controller in die Hand – und taucht in die virtuelle Welt ab. Zugegeben, es sieht schon etwas merkwürdig aus, wie sich der 23-Jährige durch die Lernwerkstatt im Werk Wolfsburg bewegt. Ruprecht geht zwei Schritte nach vorn, dreht sich nach links und greift mit seiner rechten Hand plötzlich ins Nichts. Könnte man als Beobachter zumindest meinen. Doch in der virtuellen Welt der Logistik, in der sich Ruprecht dank der Datenbrille bewegt, steht ein Drucker, aus dem er einen Ausdruck nimmt. Diese sogenannte Pick-Liste heftet er an die Mitfahrplattform, scannt sie ab – und los geht die Fahrt zum Regal mit dem benötigten Fahrzeugteil. Alles sieht täuschend echt aus.

„Das hat richtig Spaß gemacht“, schwärmt der junge Mann wenig später, als er die Datenbrille wieder vom Kopf nimmt. „Man hat das Gefühl, als würde man wirklich auf der Mitfahrplattform stehen. Da ist kaum ein Unterschied zur Realität.“ Das hören Malte Hedemann und Dennis Abmeier immer wieder. Die beiden Spezialisten aus Logistik und IT haben das virtuelle Training erfunden. „Wenn wir in der Produktion immer mehr Prozesse digita­lisieren, müssen wir auch unsere Schulungen digitalisieren“, erklären Hedemann und Abmeier ihren Ansatz.

» Das Training führt beim Mitarbeiter zu mehr Selbst­sicherheit. «

In der Vergangenheit wurden Logis­tik-Mitarbeiter, die auf der Mitfahrplattform zum Einsatz kommen, zunächst theoretisch geschult. Das praktische Training fand anschließend im laufenden Schichtbetrieb statt. „Das Anlernen auf der realen Plattform hat bei dem einen oder anderen unbewusst zu Leistungsdruck geführt“, sagt Hedemann. Beim Training mit der Datenbrille sei es dagegen nicht schlimm, wenn dem Mitarbeiter anfänglich Fehler unterlaufen, betont Abmeier.

Malte Hedemann (links) und Dennis Abmeier haben das virtuelle Training erfunden.

International einsetzbar

Das Zubehör für das virtuelle Training lässt sich problemlos in einem Koffer verstauen. „Wir können damit also bei Bedarf an alle Standorte der Marke fahren oder fliegen, um die Mitarbeiter der Logistik vor Ort zu schulen“, sagt Malte Hedemann. Ob Pamplona, Bratislava oder Uitenhage – die virtuelle Hallen­umgebung des ­jeweiligen Werkes lässt sich mit wenig Aufwand in das System ­einspielen.

In der Virtualität kann man schließlich keinen Schaden anrichten.“ Zudem besteht die Möglichkeit, auf Knopfdruck bestimmte Störungen im virtuellen Trainingsprozess zu simulieren, etwa das ungeplante Stehenbleiben der Plattform. „Das Wissen, wie man in solchen Situationen richtig reagiert, führt beim Mitarbeiter zu mehr Selbstsicherheit“, hat Jörn Freier, der Leiter der Wolfsburger Lernwerkstatt, beobachtet. Ein weiterer Vorteil des Systems: Ein Neuanlauf eines Fahrzeugs kann virtuell bereits geschult werden, bevor er tatsächlich beginnt.