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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Effizienzprogramm

Vorbild in Sachen Effizienz

Das Werk im russischen Kaluga setzt Maßstäbe: An kaum einem anderen Standort der Marke Volkswagen werden Autos derzeit so effizient produziert. Das sei kein Zufall, sagt Werkleiter Andreas Klar im Interview mit inside.

Herr Klar, Sie haben Anfang 2014 ein Programm zur Qualitäts- und Produktivitätssteigerung im Werk Kaluga ins Leben gerufen. Gab es dafür einen konkreten Anlass?

Ja, den gab es. Ende 2013 hatte sich abgezeichnet, dass die russische Wirtschaft in eine schwere Krise rutschen würde. Vor allem für den Automarkt waren die Aussichten düster. Für uns stand deshalb fest, dass wir Volkswagen Russland krisenfest machen müssen, um halbwegs unbeschadet durch das Tal zu kommen. Wir wussten, dass dies nur funktionieren würde, wenn wir effizienter arbeiten und unsere Abläufe im Werk optimieren würden.

Wie haben die Mitarbeiter reagiert, als Sie ihnen das Programm vorgestellt haben?

Wir haben die Dinge von Anfang an sehr offen angesprochen und versucht, den Mitarbeitern die Notwendigkeit unseres Effizienzprogramms anhand von konkre­ten Beispielen vor Augen zu führen. Beispielsweise habe ich vorgerechnet, dass eine Alufelge aufgrund des Wechselkursverfalls jetzt fast das Doppelte kostet. Eine ehrliche und transparente Kommunikation ist unerlässlich, wenn man seine Mitar­beiter mitnehmen möchte, erst recht in schwierigen Zeiten.

Was für konkrete Ziele haben Sie sich mit Ihrer Belegschaft gesetzt?

Wir hatten uns vier große Ziele gesetzt. Da war als Allererstes die Steigerung der Verfügbarkeit. Das heißt, die Produktion läuft möglichst störungsfrei. Also haben wir Störungsquellen im Werk ausfindig gemacht und eliminiert, sofern das möglich war. Zudem haben wir die Mitarbeiter so geschult, dass sie Störungen schnell beheben können. Dann hatten wir uns vorgenommen, den Direktlauf zu steigern, also die Quote der Fahrzeuge, die die Produktion ohne Nacharbeiten verlassen. Außerdem wollten wir die Qualität der bei uns gefertigten Fahrzeuge steigern. Die Mitarbeiter, so die Vorgabe, sollten die Autos gewissenhaft bauen, als wären es ihre eigenen.

Und last but not least …

… wollten wir für jedes produzierte Fahrzeug weniger Zeit benötigen.

Das klingt alles leichter gesagt als getan.

Wir hatten im Vorfeld definiert, wo wir nach 12 und nach 24 Monaten stehen wollen. Und wenn ich ehrlich bin, war die Zielsetzung nach 24 Monaten ganz schön ambitioniert. Aber der Erfolg hat unser Effi­zienzprogramm getragen. Schon bei der zweiten Mitarbeiterveranstaltung konnte ich den Beschäftigten von positiven Zwischenergebnissen berichten. Das hat die Belegschaft mit Stolz erfüllt – und motiviert, weiterzumachen. Plötzlich haben die Mitarbeiter eigene Ideen entwickelt, wie wir noch effizienter werden können.

Werkleiter Andreas Klar ist überzeugt: „Eine ehrliche und transparente Kommunikation ist unerlässlich.“

»Der Erfolg hat unser Effi­zienzprogramm getragen.«

VITA

Andreas Klar (52) begann seine beruf­liche Laufbahn 1994 in der Komponentenfertigung im Werk Hannover. 1999 wechselte der Diplom-Betriebswirt ins Werk Wolfsburg, wo er zunächst für zwei Jahre die Leitung des Industrial Engineering übernahm, ehe er die Verantwortung für die Montage 1 übertragen bekam. Nach weiteren Stationen in Hannover und Wolfsburg führte ihn sein Weg 2009 nach Kaluga, wo er zum Leiter Qualitätssicherung bei der Volkswagen Group Rus ernannt wurde. Seit 2014 leitet der zweifache Vater den Standort Kaluga.

Ob Qualität, Direktläufer, verbrauchte Zeit oder Verfügbarkeit – Sie haben alle Ziele erreicht oder zuweilen sogar übertroffen. Auf welches Ergebnis sind Sie besonders stolz?

Auf unsere Direktlauf-Quote. Die haben wir auf 96 Prozent gesteigert – damit ist das Werk Kaluga Weltmeister. Dafür haben wir viel Lob bekommen, auch von Markenchef Dr. Diess, der im November bei uns im Werk zu Besuch war.

Wie geht es nun weiter, nachdem Sie die Ziele erreicht haben? Lehnen Sie und Ihre Mitarbeiter sich nun zurück?

Nein, ganz und gar nicht. Uns ist allen bewusst, wie schwierig es ist, dieses Niveau zu halten. Zumal wir mit dem Anlauf des neuen Tiguan in diesem Jahr eine weitere große Herausforderung vor der Brust haben. Das ist für unser Werk das erste Fahrzeug auf Basis des Modularen Querbaukas­tens. Wir haben uns vorgenommen, einen hochwertigen Anlauf hinzubekommen. Die ersten Ergebnisse der Produktionsvorserie stimmen mich äußerst zuversichtlich.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem neuen Tiguan?

Ich bin überzeugt, dass der neue Tiguan gut ins Land passt. Mit seinen überlegenen Fahreigenschaften, den fortschrittlichen Systemen und dem aufregenden Design trifft das SUV den Geschmack der russi­schen Kunden.

Wie sind denn die Aussichten auf dem russi­schen Automobilmarkt generell?

Wir sehen allmählich Licht am Ende des Tunnels. Der Erdölpreis erholt sich langsam, dadurch stabilisiert sich der Rubel. Ich bin zuversichtlich, dass sich der Markt mittelfristig erholen wird. Spätestens 2018, wenn die Fußball-WM in Russland stattfindet, wird es wieder aufwärtsgehen.

Volkswagen Werk Kaluga

Werkleitung: Andreas Klar

4.300 Beschäftigte

Modelle der Marke Volkswagen: Tiguan, Polo

97.000 Fahrzeuge

haben die Mitarbeiter 2015 produziert.