inside
Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Digitalisierung

Der Datensammler

Der WLTP-Verbrauchsmesszyklus verändert vieles. Auch in der IT. Entwicklungsleiter Peter Warncke hat dafür mit seinem Team ein neues IT-System eingeführt.

Der Countdown läuft. Ab September 2018 müssen neue Autos in Europa nach der Verbrauchs- und Abgasmessprozedur WLTP geprüft sein. Alles ist dann neu. Für alle Modelle, alle Ausstattungen. Denn Zubehör wie Sportfelgen oder Schiebedach verändern das Gewicht und das beeinflusst den Roll- und Luftwiderstand eines Autos. All dies wirkt sich also auch auf den Verbrauch aus. Für die neuen, nach dem WLTP-Prüfzyklus erhobenen Daten hat Peter Warncke mit seinem Team ein System gebaut. Es vereint alle Informationen, die für die Berechnung erforderlich sind – eine beachtliche Datenbank, die Daten aus gut 20 Systemen in der Marke wie im Konzern zusammenführt.

Warncke kennt sich aus mit komplexen Daten. 1991 startet der heute 54 Jahre alte Maschinenbau-Ingenieur bei der damaligen Volkswagen Tochter Gedas als Anwendungsberater und später als Softwareentwickler. 2010 wechselt der gebürtige Uckermärker als Projektleiter zu Volkswagen. Sein Projekt: ein logistisches Teilesystem namens „ProLog“ mit den Daten und Teilenummern der Modelle, die für die Fertigung geplant sind. Es zeigt an, welche Teile verbaut werden, wie lange der Vorrat an der Linie und im Lager reicht und wann mit Engpässen zu rechnen ist. Für Modelle von Volkswagen, Audi und Seat in verschiedenen Werken weltweit. Da kommt ordentlich etwas zusammen. Denn Tausende Autos sind es, Tag für Tag, an jedem Standort, die gebaut werden. Heute besteht ein Auto im Durchschnitt aus etwa 4.000 einzelnen Teilen, die an der Linie montiert werden. Eine gigantische Datenmenge in der Logistik – kaum vorstellbar.


Nicht weniger groß und komplex ist das neue IT-System. Es speist sich aus Daten, die aus gut 50 Abteilungen in der Technischen Entwicklung kommen. Die Marke Volkswagen ist da eine unter sieben Konzernmarken. Daten zum Gewicht, zur Aerodynamik, zu Rollwiderständen wie auch die Verbrauchswerte vom Rollenprüfstand fließen ein. Sie bilden unter anderem die Grundlage für die behördliche Typgenehmigung. Das ist die Erlaubnis, dass ein Modell überhaupt in die Serie gehen darf. Immer wenn WLTP-Daten erforderlich sind, kann man verlässlich auf dieses System zugreifen.


Warncke kann sich gut daran erinnern, als es Ende 2015 losging: „Von Anfang an wussten wir nicht, ob wir das in dieser kurzen Zeit schaffen können.“ Die Herausforderung besteht darin, ein ganz neues System mit einer hohen Datenkomplexität zu bauen, zu testen und in Betrieb zu nehmen.
 

Mit seinem sechsköpfigen Team koordiniert Warncke etwa 50 Analysten, Mathematiker, Tester, Spezialisten für Architektur und Systembebauung, Netzwerkexperten und Sicherheitsspezialisten. Sie arbeiten eng zusammen in einer agilen Organisation mit sogenannten Sprints, also in kleinen, überschaubaren Arbeitspaketen. Sie werden etwa im Drei-Wochen-Rhythmus umgesetzt, getestet und beurteilt. „Da merkt man schnell, wenn etwas falsch läuft, und sieht auch immer, wenn etwas fertig ist“, erklärt Warncke. „Uns hat die agile Arbeitsorganisation sehr geholfen, das WLTP-System rechtzeitig an den Start zu bringen.“

Rechtzeitig auch für den up! GTI1, der vor wenigen Tagen in die Serie ging. Der kleine Flitzer aus Bratislava ist das erste Volkswagen Modell, das nach dem WLTP-Zyklus gemessen und zugelassen wird – mit den Daten aus Warnckes WLTP-System.

»Von Anfang an wussten wir nicht, ob wir
das in dieser kurzen Zeit schaffen können.«

Peter Warncke, Entwicklungsleiter


Weitere Informationen zum WLTP Typprüf­verfahren finden Sie auf unserer Website.