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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

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»Unser Anspruch: Die besten Autos
kommen aus Wolfsburg«

Michael Weis ist im größten Werk des Konzerns unter anderem für die Arbeitsorganisation verantwortlich. Mit inside sprach er über den Anlauf des Seat-SUV, 
die Golf-Familie und Kernkompetenzen von Produktionsmitarbeitern.
 

Michael Weis am Kugelmodell. Es dient dazu, auf einen Blick zu sehen, wie weit das Produktionssystem am Standort Wolfsburg umgesetzt ist.

Wolfsburger Mitarbeiter produzieren schon die Vorserie des Tarraco, des nächsten SUV von Seat. Wie läuft die Zusammenarbeit mit der spanischen Schwester?

Wir sind stolz, über den Zukunftspakt ein neues, attraktives Produkt in unser Werk bekommen zu haben. Da freut es uns umso mehr, dass die Zusammenarbeit gut läuft – sicher auch, weil unser Werkleiter Stefan Loth und weitere Führungskräfte unserer Produktion mehrere Jahre im Seat-Werk in Martorell gearbeitet haben. Man kennt und schätzt sich, sprachliche und kulturelle Unterschiede fallen da kaum ins Gewicht. Es hat sich schnell ein toller Volkswagen-Seat-­Teamgeist entwickelt.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mannschaft einen Seat mit derselben Hingabe baut wie einen Golf, Tiguan oder Touran?

Unserer Mannschaft ist bewusst, dass das zusätzliche Seat-Volumen Arbeitsplätze und somit die Zukunft des Standorts sichert. Sie ist hoch motiviert, ihre Kompetenz und Flexibilität zu zeigen, wenn sie auf einer Linie gleich drei Fahrzeuge baut: den Tiguan, den Touran und eben den Seat aus dem enorm nachgefragten SUV-Segment. Ohnehin gilt: Unsere Mitarbeiter haben „Benzin im Blut“. Sie leben unseren Qualitätsanspruch: „Die besten Autos kommen aus Wolfsburg.“

Wie lange haben die Umbauten im Werk für das neue Modell gedauert?     

Die Umbauten und Umrüstungen im Presswerk, im Karosseriebau, in der Lackiererei und in der Montage haben wir schnell umgesetzt. Sie dürfen nicht vergessen: Wir haben konzernweit ein einheitliches Produktionssystem. Und die Fahrzeuge von Seat werden – wie unsere auch – auf der MQB-Plattform gebaut. Einheitliche Standards und Prozesse helfen enorm, wenn zwei Marken zusammenarbeiten.

PQM – DIE STRATEGIE FÜR DAS WERK WOLFSBURG

Das Werk hat die Strategie TRANSFORM.FACTORY+ der Produktion und Logistik auf Wolfsburg heruntergebrochen: Die Strategie PQM – Werk Wolfsburg konzentriert sich auf die Themen Produktivität, Qualität und eine Mannschaft.
 

  • Mit dem Ziel Produktivität ist der Anspruch verbunden, ein effizientes und wettbewerbsfähiges Volumenwerk zu sein.
  • Beim Punkt Qualität lautet das Ziel: Die besten Autos kommen aus Wolfsburg.
  • Unter einer Mannschaft ist zu verstehen: Die Mitarbeiter und Führungskräfte gestalten gemeinsam die Zukunft des Werks und sehen Autobau als Mannschaftssport.


Mit der „Change Story Werk Wolfsburg“ wurde eine Kommunikationsoffensive gestartet, in der die Mitarbeiter zu den Inhalten des Zukunftspakts und zur Weiterentwicklung des Werks informiert werden. „Wichtig war uns dabei, die PQM-Strategie und den Zukunftspakt als Chance für den Wandel zu begreifen“, sagt Michael Weis.

Qualifizierung ist überall ein großes Thema. Welche Schlüsselqualifikationen brauchen die Produktionsmitarbeiter künftig in Wolfsburg?

Das eine ist das Fachliche: Unsere Mitarbeiter müssen das Produktionssystem und damit verbundene Standards umsetzen können. Damit verbunden ist die Fähigkeit, Prozessstörungen und Fehlerursachen schnell zu erkennen und zu beheben. Außerdem sind eine hohe Teamfähigkeit, Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Flexibilität wichtig. Denn künftig müssen unsere Mitarbeiter neue Formen des Arbeitens noch stärker umsetzen, etwa bei Mensch-Roboter-Kooperationen, dem Steuern von Anlagen unter anderem mit Tablets und Handhelds oder beim virtuellen Montagetraining.

Ist das alles ein Hexenwerk?

Das sind anspruchsvolle, aber zu bewältigende Aufgaben. Niemand muss sich Sorgen machen, von Entwicklungen abgehängt zu werden – zumal wir unsere Mitarbeiter systematisch auf neue Aufgaben und Anforderungen vorbereiten.

Im vergangenen Jahr ist die Fertigung im Werk Wolfsburg deutlich produktiver geworden. Wie ist das gelungen?

Mitarbeiter und Führungskräfte haben in 385 KVP-Workshops ihre Prozesse analysiert – das waren so viele Workshops zur Kontinuierlichen Verbesserung wie noch nie! Darauf aufbauend haben wir Arbeitsinhalte und Arbeitsfolgen neu geordnet – mit dem Ergebnis: weniger Laufwege, geringere Wartezeiten. Kurzum: Wir haben weniger Verschwendung und eine noch bessere Qualität in unseren Prozessen. Dadurch sinkt die Zahl der Stunden, die wir für den Bau eines Fahrzeugs brauchen. Und damit sinken auch die Kosten. Geschafft haben wir das dank unserer Mitarbeiter. Sie haben viele hervorragende Verbesserungsvorschläge zur Organisation der Arbeit eingebracht und so dazu beigetragen, dass unser Werk produktiver geworden ist. Das war eine tolle Mannschaftsleistung. Der Einsatz unserer Mitarbeiter verdient Respekt und Anerkennung. Vielen Dank!

»Es hat sich schnell ein toller Team­geist entwickelt.«

Golf Limousine, Golf Sportsvan (Kraftstoffverbrauch in l/100 km: 5,2 bis 4,9 (kombiniert), CO2-Emissionen in g/km: 118 bis 112 (kombiniert), Effizienzklasse: B bis A.), Tiguan und Touran – diese Autos bauen die Mitarbeiter des Wolfsburger Werks zurzeit. Hinzukommen wird der Golf Variant (Kraftstoffverbrauch in l/100 km: 5,5 bis 5,0 (kombiniert), CO2-Emissionen in g/km: 132 bis 113 (kombiniert), Effizienzklasse: B bis A). Was bedeutet das für den Standort?

Wie Sie wissen, baut aktuell auch das Werk Zwickau Golf-Kontingente. Wenn das nicht mehr der Fall ist, werden wir in Europa das einzige Werk sein, das dieses Modell fertigt. Das ist Chance und Herausforderung zugleich: Chance, weil wir dann die gesamte Golf-Familie verantworten und damit eine hohe Auslastung haben. Herausforderung, weil die Produktion komplexer wird.

Welchen Beitrag leistet das Werk Wolfsburg zum Zukunftspakt?
 
Die gesamte Produktion – und somit auch unser Werk – ist angehalten, produktiver und effizienter zu werden, zum Beispiel durch bessere Prozesse. Volkswagen nutzt die demografische Entwicklung, um die Belegschaftsstärke in den nächsten Jahren sozialverträglich anzupassen. Dennoch ändert sich einiges – zum Beispiel die Zusammensetzung der Teams und spezifische Arbeitsabläufe.

Wie reagiert die Mannschaft?
 
Grundsätzlich trägt die Mannschaft diese Veränderungen mit. Schließlich ist jedem bewusst, dass wir uns verändern müssen, um wettbewerbsfähig und zukunftssicher zu sein. Aufgabe der Führungskräfte ist es, die Anforderungen der Transformation und deren Folgen gut zu kommunizieren und mit den Mitarbeitern zu den Notwendigkeiten des Change-Prozesses in einen Dialog zu treten. Auch hier gilt es, die Chancen der Veränderung zu erfassen und den Produktionsprozess durch neue Möglichkeiten der Mechanisierung und Digitalisierung sowie durch den Einsatz von Hilfsmitteln gerade mit Blick auf Ergonomie und Demografie weiter zu verbessern.

Weis in seinem Büro beim Gespräch mit inside.

 

MICHAEL WEIS (49)

verantwortet im Werk Wolfsburg die Organisationsentwicklung, den Volkswagen-Weg und das Industrial Engineering. Seine Karriere begann bei der Bundeswehr, an deren Universität in München er auch promovierte. Später machte er sich mit einer Unternehmensberatung für innovative Arbeitsgestaltung und Organisationsent­wicklung selbstständig. Weis ist verheiratet und Vater zweier Kin­der. Seine Hobbys sind Rad- und Wandertouren mit der Familie. Außerdem sammelt und restauriert er Röhren- und Hi-Fi-Verstärker.