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Innovationen

Im virtuellen Testgelände

Im SimLAB in Wolfsburg nutzen die Mitarbeiter mehr und mehr virtuelle Techniken zur Absicherung, um die Autos von morgen sicherer zu machen.

Das Duo aus dem SimLAB im Fahrsimulator –Julian Timpner (links) und Jens Krause.

Für Julian Timpner und Jens Krause hat die Zukunft bereits begonnen. Die beiden Informatiker aus der Elektronikentwicklung (EE) in Wolfsburg arbeiten im Simulationslabor, kurz: SimLAB. Am Computer testen sie Systeme und Steuergeräte bis zur Markt­reife. Was früher mit viel Aufwand an ­extra aufgebauten Prototypen geschah, wird nun immer mehr virtuell umgesetzt. In gut eineinhalb Jahren konnte die EE die Versuchsträger um knapp ein Drittel verringern. Dieser Trend soll mit dem SimLAB fortgesetzt werden.

„Unsere I.D. Familie wird das Autofahren in Zukunft stark verändern, auch in Sachen Sicherheit“, sagt Julian Timpner. Er ­kümmert sich seit einem Jahr im SimLAB um die Simulation der sogenannten Car2X-Kommunikation. Das ist eine ganz neue Technologie, bei der Autos mit ihrer Umwelt und mit­einander kommunizieren. Bis zu 500 Autos sind da über ein Netzwerk verbunden. „Ihr Auto kann Sie warnen, wenn ein Stauende hinter einer Kurve liegt oder es im nächs­ten Ort Glatteis gibt“, ­erklärt Timpner.

» Unsere I.D. Familie wird das Autofahren in Zukunft stark verändern, auch in Sachen Sicherheit. «

Julian Timpner

Viele unerwartete Situationen wie diese kann das SimLAB virtuell berechnen. „Wenn zwei Autos sich an einer Kreuzung treffen, kann man das noch auf dem Prüfgelände testen“, sagt der 31 Jahre alte Informatiker. Bei einer vielbefahrenen Kreuzung oder bei Stau auf einer dreispurigen Autobahn sei das aber nicht so einfach.

Um solche und ähnliche Situationen ab­zusichern, nutzen die Mitarbeiter im Simulationslabor virtuelle Methoden. Im Mai ­dieses Jahres entwarfen sie in Halle 90b im Werk Wolfsburg die ersten virtuellen ­Testgelände. Tempo ist wichtig. Denn das SimLAB versteht sich als agiler Dienst­leister im Auftrag der Entwickler – stets am Puls der Zeit, über alle Entwicklungsstufen hinweg bis zur Freigabe.

» Wir arbeiten an Themen, die erst in einigen Jahren in unsere Autos kommen. «

Jens Krause

„Wir arbeiten an Themen, die erst in einigen Jahren in unsere Autos kommen. Das ist wirklich spannend und vielfältig“, sagt Jens Krause. Sein Fachgebiet im SimLAB sind Testmethoden für Notbremsungen, wenn zum Beispiel auf einer Kreuzung ein Unfall droht. Kreuzungen gibt es viele, gefährliche Verkehrssituationen aber noch viel mehr. Der 35-jährige Fahrzeuginformatiker erklärt: „Man müsste etwa 200.000 Szenarien nachstellen, um die Fälle zu tes­ten, in denen es auf einer Kreuzung zu ­einer Notbremsung kommen kann. Das geht nur auf einem virtuellen Testgelände.“
 

Beim autonomen Fahren seien die Anforderungen an die virtuelle Absicherung noch höher und strenger, ergänzt Krause. Mehrere Hundert Millionen Testkilometer sind ­erforderlich, um sicherzustellen, dass alles so sicher läuft, wie es laufen soll. Für jedes Modell. Ein Rechenbeispiel: Wenn ein Testfahrer 1.000 Kilometer am Tag fahren würde, müssten über 5.000 Fahrer 365 Tage im Jahr im Dauereinsatz sein, um die Entwicklung eines vollautomatisiert fahrenden ­Autos abzusichern. Das ist eine Mission ­impossible. Aber das SimLAB macht es möglich – virtuell.