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Das Mitarbeitermagazin
der Marke Volkswagen

Digitalisierung

Eine Fabrik im Miniaturformat

Etwa 30 Auszubildende am Standort Wolfsburg haben in den vergangenen Monaten in mühevoller Kleinarbeit eine originalgetreue Miniaturfabrik gebaut. In dieser sollen künftig digitale Produktionsprozesse getestet werden, bevor sie in Serie gehen.

 

Lukas Kavemann steht konzentriert an seinem Touch Panel. Mit dem kleinen Bildschirm, der an ein Tablet erinnert, steuert der 22 Jahre alte Mechatroniker an diesem Vormittag einen Greifarm in der Lackiererei. Vorsichtig hebt Kavemann die Rohkarosse an und taucht sie zur Reinigung ins Tauchbecken. Die Lackiererei ist nur eine von mehreren Stationen in der Miniaturfabrik, die seit wenigen Tagen im digitum, dem neuen Digitalisierungslabor der Technologieplanung, in Halle 18 steht. Außerdem gibt es das Presswerk, den Karosseriebau, die Montage und die Qualitätskontrolle. Verbunden sind die einzelnen Stationen durch eine Logistikfläche, auf der zwei fahrerlose Transportsysteme (FTS) unterwegs sind. Alles wie in der echten Golf-Produktion ein paar Meter weiter in Halle 54 – nur eben einige Nummern kleiner.

Gebaut wurde die vier mal zwei Meter große Anlage, die an eine Modelleisenbahn-Landschaft erinnert, von 30 Auszubildenden der Marke Volkswagen. „Ein cooles Projekt“, sagt Kavemann, während im Hintergrund die blau lackierte Mini-Karosse durch den Lichttunnel fährt. „Es hat Spaß gemacht, dass wir das, was wir vorher in der Ausbildung gelernt hatten, hier praktisch anwenden konnten.“ Schätzen gelernt habe er auch den Austausch mit Kollegen aus anderen Bereichen.

Fünf Monate, erzählt Ausbilder Lars Zander, habe es von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung des Modells gedauert. „Das war sehr sportlich. Aber die Azubis waren hoch motiviert und haben tolle Arbeit geleistet.“ Die angehenden Industriemechaniker und Mechatroniker verbauten für die Miniaturfabrik mehrere hundert Meter Aluprofil und Leitungen, ein halbes Dutzend SPS-Steuerungen, vier Elektrozylinder und zwei Roboter. Alles Teile, die so auch in der echten Fabrik verwendet werden.

Genutzt wird die Miniaturfabrik künftig vor allem von der Technologieplanung. Diese Abteilung ist verantwortlich für die Digitalisierung in der Produktion. Aktuell, sagt Dirk Voigt, sei es so, dass digitale Innovationen entweder in der produktionsfreien Zeit getestet werden oder aber im laufenden Betrieb, wobei Letzteres problematisch ist. „Uns fehlte bisher ein Testfeld, wo wir verschiedene Planungsszenarien einfach mal bedenkenlos ausprobieren können“, so Voigt. Diese Rolle soll künftig die Miniatur-
fabrik übernehmen. „Was hier funktioniert, lässt sich später viel leichter in den Serienbetrieb integrieren“, sagt Voigt. Und fast noch wichtiger: „Fehler, die hier auftreten, können wir abstellen, bevor sie später an der Linie auftreten.“

»Was hier funktioniert, lässt sich später viel leichter in den Serienbetrieb integrieren.«